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#jungsteinzeit2016: Wohnen damals und heute

Das LVR LandesMuseum Bonn begibt sich derzeit mit der Serie ‪#‎jungsteinzeit2016 auf die Suche nach Unterschieden, Parallelen und Gemeinsamkeiten zwischen der Jungsteinzeit und heute. Mitmachen kann jeder und das lässt sich KuKu natürlich nicht zweimal sagen. Nicht, weil es hier unter Umständen sogar etwas zu gewinnen gibt, sondern weil die Idee ganz unweigerlich zum Reflektieren führt und das ist einfach nur wunderbar.

In den kommenden Wochen soll es jeden Mittwoch ein neues Thema geben, zu dem Bilder aus dem hier und jetzt eingesendet werden können. Den Anfang machte in der letzten Woche das Thema Wohnen. Dabei ging es nicht nur um die Fragen, wie und wo wir heute eigentlich leben, sondern auch darum, ob wir noch immer Jungsteinzeitler sind und ob unser heutiges Leben Vor- oder Nachteile mit sich bringt. Schwierig, aber ich vage den Versuch und bin gespannt, was am Ende dabei herauskommen wird.

Über das Leben in einer Metropole

Berlin: Das ist das zu Hause von rund 3,5 Millionen Einwohnern. Einer davon bin ich.

Dass ich in der bevölkerungsreichsten Stadt Deutschlands lebe, ist vielerorts ersichtlich, und doch spüre ich es nicht unbedingt – zumindest nicht zu jeder Zeit, denn die Straßen sind großzügig und breit, es gibt viele Parks, Bäume und Grünflächen und dort, wo es wirklich eng wird, tummeln sich meist eher Touristen statt Einwohner.

Das Leben ist bunt, sowohl in ethnischer Hinsicht als auch im Bezug auf den Hausbau. Letzteres veranschaulicht auch die Aufnahme, die ich zum Thema Wohnen eingereicht habe [siehe Beitragsbild].

Balkonblume
Wohnen mit Blumen vor dem Fenster – in der Stadt geht das nur noch mit Balkon.

Alles ist hier nach den Vorstellungen des Menschen gestaltet. Doch die Natur sucht und findet ihren Platz, oft mit Hilfe der geheimen Gartenaktivisten, die überall ihren Finger- bzw. Blumenabdruck hinterlassen und so manche kahle Stelle für die Pflanzenwelt zurückerobern. Gejagt wird im Supermarkt, Vieh findet sich in den Haushalten nur noch in Form von Haustieren und angebaut wird dort, wo ein Balkon vorhanden ist. Im Gegensatz zur Jungsteinzeit wachsen hier hauptsächlich Zierpflanzen, doch ab und zu blitzt so manche Tomate hindurch – eine Pflanze, die wohl kein Jungsteinzeitler in Europa kannte.

Die Häuser selbst ragen hoch in den Himmel empor. Stockwerk über Stockwerk und Hinterhof neben Hinterhof. Wie viele Menschen allein in einem dieser Gebäude leben, ist mir unmöglich zu sagen. Sicher ist nur eines – man lebt dicht beieinander und doch so ziemlich jeder für sich. Viele beschreiben das Leben inmitten dieser Anonymität als einsam. Andere empfinden dies als Geschenk.

Gibt es vielleicht Parallelen zu den Anfängen in der Jungsteinzeit?

Selbstverständlich gibt es Übereinstimmungen zwischen damals und heute. Im Grunde hat sich nicht vieles verändert. Das Baumaterial ist anders – Beton statt Holz. Und auch die Dimensionen ragen heute in geradezu unvorstellbare Höhen (aus jungsteinzeitlicher Sicht). Doch angebaut und gezüchtet/geschlachtet wird nach wie vor – dies allerdings in einem anderen, größeren und vielleicht auch organisierteren Rahmen. Das Grundgerüst ist meiner Ansicht nach jedoch noch immer gleich.

Sind wir also immer noch Jungsteinzeitler?

Nein! In meinen Augen sind die Menschen von heute die Summe dessen, was vor ihnen war. Ob Stein-, Bronze-, Eisen- oder sonst eine Zeit, dies sind Begriffe, die wir gefunden haben, um dabei zu helfen die lange Entwicklung besser fassen und begreifen zu können. Irgendwann werden die Menschen von Morgen auch für uns eine Bezeichnung finden, die wir selbst niemals zur Beschreibung unseres Daseins verwenden würden. Was bleibt, ist die Entwicklung und die Summe von dem, was wir sind – Menschen.

Hat das Leben in einer Großstadt Vor- oder Nachteile?

Ich denke, dass die Antwort auf diese Frage Ansichtssache ist. Das Leben in einer Metropole hat viele Vorzüge, denn man kommt schnell und unkompliziert von A nach B, hat kulturell gesehen schier unzählige Entfaltungsmöglichkeiten und ist aufgrund der Vielfalt der Menschen, die dort zusammenleben oftmals freier als in kleineren Gemeinden – man wird von der Masse verschluckt, kann sein, wie man ist, ohne, dass sich irgendwer sonderlich daran stört.

Dieser Vorteil kann jedoch auch zum Nachteil werden, denn zu viel Anonymität kann auch zur Vereinsamung führen. Zudem ist die Kriminalitätsrate höher, man ist erheblich mehr ungesunden Einflüssen wie beispielsweise Abgasen und Lärm ausgesetzt und deshalb auch eher gefährdet, krank zu werden oder an Stress zu leiden.

Wenn ich ehrlich sein soll, ist es mir unmöglich zu sagen, inwiefern mein Leben hier und heute besser oder schlechter ist als ein Leben wo anders oder in einem andren Zeitalter. Nur eines ist für mich vorteilsmäßig betrachtet wahrhaftig anders als zur Jungsteinzeit: Das Leben heute ist internationaler. Wir sprechen viele sprachen, können weiter reisen und sind nicht mehr so sehr an den Geburtsort gebunden, wie die Menschen vor 7000 Jahren es waren. Auch sie konnten weite Strecken zurück legen und manch einer machte fernab seiner Heimat einen Neuanfang, doch heute ist dies glaube ich einer breiteren Masse vergönnt. Ja, wenn ich es mir recht überlege, ist das der größte Vorteil, den wir Menschen heute haben.

Und was meint ihr?

Habt ihr euch schon einmal Gedanken zu diesen Themen und Fragen gemacht?


Erfahrt mehr über die Serie ‪#‎jungsteinzeit2016 und macht vielleicht einfach selbst mit.


Am Mittwoch veröffentlicht das LVR Landesmuseum Bonn das zweite Thema und ich bleibe dran, keine Frage. 🙂

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