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Griechenland: Permanente Folgen einer temporären Kriese

Spätestens seit den Überfällen auf das Archäologische Museum von Olympia im März und April 2011 stand fest: Die Griechenlandkrise würde fatale Auswirkungen auf die Kultur des Landes haben.

 

Was hat sich seither getan?

Erschreckend wenig, oder auch erschreckend viel in die falsche Richtung – je nachdem, wie man es sieht. Den Anfang allen Übels nahmen unmittelbar vor den Geschehnissen im Olympia Museum die auferlegten Einsparungen des Kulturministeriums, welches für den Großteil aller Museen des Landes verantwortlich ist und diese betreibt. Neben der Entlassung von etwa 10 % der Mitarbeiter des Ministeriums, wurden die finanziellen Mittel zum Unterhalt von Wachpersonal um ganze 20 % gesenkt.

Bedenkt man hierbei, dass Griechenland zum momentanen Zeitpunkt etwa 19.000 Stätten registriert hat, die von archäologischer, historischer und kultureller Bedeutung sind, und dass einige von diesen Flächen gewaltig sind, wird deutlich, was diese Sparmaßnahmen im Umkehrschluss bedeuten. Dennoch sparte man munter weiter.

Was mit einer ersten Welle an Frühpensionen begann, breitete sich stetig aus. Mittlerweile wurde jeder zweite Mitarbeiter des Kulturministeriums entlassen oder wartet auf eine baldige Entlassung. Neben dem Wachpersonal sind selbst die höchsten Ämter betroffen. Wer noch ausharrt, lebt mit einer Gehaltskürzung von 35 %, also von etwa 1500 Euro im Monat. Im Vergleich zu Angestellten des Öffentlichen Dienstes in Deutschland entspricht dies dem Anfangsgehalt eines Volontärs.

 

Wozu es führt

Die Folgen sind unübersehbar. Einerseits schließen Museen aus Mangel an Arbeitskräften, anderenorts werden gemachte Funde auf Militärbasen gelagert, um diese bestmöglich zu schützen. Gleichzeitig steigt die Anzahl illegaler Grabungen im ganzen Land. Einige der Täter sind von Waffen- oder Menschenhandel zu dem lukrativen Schwarzmarkt mit Antiken übergegangen. Viele andere sind Ersttäter. Das geht aus einem National Geographic Report hervor, der die Hilflosigkeit der Behörden gegenüber der stetig steigenden Kriminalität im kulturellen Bereich schildert. Nach Aussagen der griechischen Polizei sind landesweit ganze 60 Polizisten für den Schutz von Kunst- und Kulturgütern beauftragt. Für mehr fehlt schlichtweg das Geld. Benötigt wäre allerdings schon fast eine Armee, so zumindest wird ein Leutnant der Polizei aus Attika zitiert.

Verständlicherweise gelingt es der Polizei also äußerst selten, die Täter auf frischer Tat zu ertappen. Nächtliche Grabungen und das anschließende Verstecken an einem anderen Ort – oftmals wieder unter der Erde – erschweren die Arbeit der Beamten. Über Mittelsmänner gelangen die Antiken von einer Privatsammlung zur nächsten, bis sie auf dem Papier legitim erscheinen und für immer in der Vitrine eines Kunstsammlers landen. Von dort, kehren sie meist nie mehr zurück und es entsteht ein unwiderruflicher Schaden.

Aus diesem Grund wird immer häufiger dazu aufgerufen diese Gegenstände zurückzugeben. Viele Kunstsammler kommen dieser Bitte mittlerweile nach, entweder aus schlechtem Gewissen oder aus Nachsicht. Das Problem ist aber auch dadurch noch längst nicht gelöst. Denn die Frage bleibt, wohin damit, dass es nicht wieder abhandenkommt?

Wo auch immer man sich in Griechenland befindet - das kulturelle Erbe ist überall zu sehen. Nicht selten nehmen sich Touristen ein Andenken mit. Für sie mag es nur ein kleiner Stein oder eine Scherbe sein. Es ist an der Zeit sich die Frage zu stellen, welchen Schaden man dadurch tatsächlich anrichtet.
Wo auch immer man sich in Griechenland befindet – das kulturelle Erbe ist überall zu sehen. Nicht selten nehmen sich Touristen ein Andenken mit. Für sie mag es nur ein kleiner Stein oder eine Scherbe sein. Es ist an der Zeit sich die Frage zu stellen, welchen Schaden man dadurch tatsächlich anrichtet.

Sollen sie doch die Akropolis verkaufen

Aus den Augen, aus dem Sinn – andere Länder, andere Probleme: Das scheinen sich viele zu denken, die mit Nachrichten über die griechische Kulturlandschaft konfrontiert werden. Persönlich blutet mir bei derartigen Einstellungen und Aussagen das Herz, denn es geht um so viel mehr als die Kulturgüter und die Geschichte eines einzelnen Landes.

Was wäre unsere, die europäische Kultur, ohne die Kulturgeschichte Griechenlands? Wir alle wissen, dass das Land als Wiege der Demokratie gilt. Alleine aus diesem Grund ist unser Hier und Jetzt untrennbar mit den Geschehnissen und Entwicklungen verbunden, die während der Antike in Griechenland ihren Anfang nahmen. Unsere Kultur, unser Wissen, die wirtschaftlichen Entwicklungen und unser gesamtes gesellschaftliches System findet hier seinen Ursprung. Einen Ursprung, den wir ohne die Arbeit von Archäologen, Landesdenkmalämtern und allen anderen Beteiligten dieser Branche nicht kennen würden – niemals erforschen könnten.

Wenn wir wissen wollen, woher wir kommen und was uns zu denen macht, die wir sind, können wir die Kulturgeschichte Griechenlands nicht außer Acht lassen. Sie ist Teil unserer Identität – geht uns alle etwas an!

Wir wandeln auf historischen Pfaden. Dahinter steckt nicht nur die griechische, sondern unsere gemeinsame - europäische Kulturgeschichte
Wir wandeln auf historischen Pfaden. Dahinter steckt nicht nur die griechische, sondern unsere gemeinsame – europäische Kulturgeschichte

Was wir tun können

Es ist an der Zeit, dass wir uns dies genauestens vor Augen führen. Wir müssen uns die Frage stellen, wer wir sind und wer wir sein wollen – ob wir tatenlos bei einer Zerstörung zusehen wollen, die letztlich die gesamteuropäische Geschichte und Kultur betrifft – was wir tun können!

Letztendlich kann jeder zu einer Verbesserung der Umstände seinen Anteil beitragen.

Es beginnt mit der einfachen Unterzeichnung des Internationalen Appels an die UNESCO, zum Schutz des kulturellen Erbes Griechenlands – setzt sich fort mit dem Hinterfragen, ob die mitgenommenen Artefakte aus dem Urlaub wirklich mir gehören und ob es nicht an der Zeit ist, diese zurückzugeben – und endet erst dort, wo wir unsere Hilfeleistung enden lassen. Griechenland braucht schon längst nicht mehr nur finanzielle Unterstützung. Wenn wir das zu verstehen beginnen, ist uns allen geholfen.

 

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