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Gastbeitrag: Kunst. Einfach so. Über die DIY-Kultur der Generation Smartphone

Mit Smartphone und Tablet lässt sich Kunst im 24-Stunden-Format konsumieren. Doch der Konsum bewirkt auch Resonanz: Es wird reichlich angestiftet und inspiriert bis schließlich selbst zu Pinsel, Hammer und Stricknadel gegriffen wird. Das Ergebnis sind eigene Kunstwerke – die dann gepostet und geshared werden. Bis sie ihre eigene Geschichte haben, einfach so. Wenn das keine Kunst ist?

 

Pinterest inspiriert

Wer eine weiße Wand zur Verfügung hat, der sucht kein passendes Bild mehr. Er macht sich das passende Bild selbst. Dafür braucht es eine Leinwand, Farbe und ein Smartphone. In der unendlichen Tiefe des Pinterest-Dschungels navigiert sich die Jane von heute zielsicher durch all die Inspirationen voller Vögel, Blüten und abstrakten Formen.

© The Art of Pinterest (mkhmarketing / Flickr, CC BY 2.0)
© The Art of Pinterest (mkhmarketing / Flickr, CC BY 2.0)

 

Youtube weiß, wie es funktioniert

Ist das passende Motiv gefunden, geht es an die Umsetzung. Die richtige künstlerische Technik ist leicht gefunden. Denn Youtube weiß, dieser wunderschöne Farbverlauf ist das Zusammenspiel von Wachsmalstift-Resten deiner Kindheit und dem Fön deiner Mitbewohnerin. Mit Hilfe von sogenannten „Tutorials“ werden künstlerische Techniken erklärt. Findige Youtuber haben auch noch so manchen Trick auf Lager: Haarspray über die Zeichnung sprayen, dann verschmiert nichts mehr.

Quelle: Youtube, Link zum Video

 

Der Reiz der Selbstkunst ist die Unvollkommenheit

Das neue Bild, da an der Wand über dem Bett, ist voller Herzblut. Wer genauer hinschaut, erkennt die Bleistiftstriche, die silbern durchschimmern. Beim nächsten Bild wird das nicht mehr passieren. Aber es geht nicht darum die Perfektion zu finden wie die Künstler in den Galerien, sondern um das Gefühl es selbst in der Hand zu haben. Dass dieses Bild einzigartig ist. Dass du einzigartig bist.

 

Instagram ermöglicht Karriere im quadratischen Format

Voller Stolz darf das Kunstwerk natürlich auf Instagram geteilt werden. Für viele Künstler dient die Foto-App als Karriere-Sprungbrett. Die Schablonenkunst des Graffiti-Künstlers Banksy wurde durch das Liken und Teilen weltberühmt. Heute veranstaltet er seine eigenen Ausstellungen. Der Franzose Francois Dourlen wurde über Nacht zu einem Star der Kunstszene von Instagram. Mit seinen Fotomontagen begeistert er über 90.000 Follower.

Angaben zum Bildmaterial: © Banksy floral vomit (Duncan Hull / Flickr, CC BY 2.0)
© Banksy floral vomit vomit (Duncan Hull / Flickr, CC BY 2.0)

 

© banksy: balloon girl. (Stew Dean / Flickr, CC BY 2.0)
© banksy: balloon girl. (Stew Dean / Flickr, CC BY 2.0)

Auch Onlineshops haben sich den Trend zum Selbermachen zu Nutze gemacht. Talentierte Do-It-Yourself Künstler verkaufen ihre selbstgemachten Gemälde, Schmuck und handbemaltes Porzellan auf Dawanda und Co.

© Stonehenge Rock Necklace (Stacie / Flickr, CC BY-SA 2.0)
© Stonehenge Rock Necklace (Stacie / Flickr, CC BY-SA 2.0)

 

Körperkult: Individuelle Socken braucht das Land

Wer früher in der Schule der Handarbeitslehrerin das Leben schwer gemacht hat, weil er lieber Fußball spielen wollte, schwingt heute die Stricknadeln. In der Anfangsphase der DIY-Kultur waren es noch die Freundinnen, die zuständig für kuschelige und ausgefallene Socken des Partners waren. Nachdem schon der Herd kochfreudigen Herren zum Opfer fiel, wich nun auch die letzte Bastion der typischen „Frauenarbeit“. Stilbewusste Männer stricken und häkeln, um stets modisch gekleidet zu sein.

© Lila Schal (petuniad / Flickr, CC BY-SA 2.0)
© Lila Schal (petuniad / Flickr, CC BY-SA 2.0)

 

Damit lässt sich sogar Geld verdienen. Die Nachfrage nach individuell gestrickten Mützen und Schals – abseits der Bekleidungsriesen – wächst zunehmend. Dass jemand – im gleichen Kleid wie du – deine Partylaune vermiesen kann, wissen längst auch schon die Männer.

 

Die Kunst als Inspiration für eigene Kreationen?

Noch immer sind die Galerien voll mit jungen Menschen, die das Fotoverbot ignorieren. Schließlich müssen die Kunstwerke auf digitale Speicher gebannt werden, damit sie später noch verfügbar sind. Um sie Freunden zu zeigen und gemeinsam neue Inspiration zu finden. Für die Generation Smartphone ist das die eigentliche Aufgabe der Kunst: Inspiration für das Selbermachen finden.


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von rahmendirekt.de.


	

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