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Ausbruch aus der Komfortzone – Golsa Golchini im Gespräch

Im Allgemeinen empfinde ich eine tiefe Freude, wenn ich Kunst außerhalb des Rahmens sehe; Kunst, die alles regelt, weil sie keine Regeln hat.

Golsa Golchini bei der Arbeit

Golsa Golchini,

geboren in Teheran, Iran, wusste schon immer, dass sie Künstlerin werden wollte. Nach ihrem Umzug nach Mailand im Jahr 2004 und ihrem Abschluss an der Akademie der Künste in Brera im Jahr 2010 ist dieser Traum nun Wirklichkeit geworden. Heute sind ihre fesselnden Werke auf Leinwand, Büchern, Münzen, Karton und mehr sehr gefragt.

Golsa Golchini lässt sich weder von einer bestimmten Oberfläche noch von den Grenzen des Bilderrahmens einschränken und erforscht unablässig die Möglichkeiten ihres Mediums. Ähnlich wie ihre Motive, die sich auf Abenteuer begeben, ist sie ständig bestrebt, aus ihrer eigenen Komfortzone auszubrechen und sich den Regeln der Kunst im Allgemeinen zu widersetzen. Ihre verspielten Werke bieten dem Betrachter ein intensives Erlebnis; er wird zum Protagonisten des Gemäldes und wird an einen anderen Ort versetzt – an schneebedeckte Hänge oder sonnige Strände – an einen Ort, an dem alles toll ist.

Return on Art hat die Künstlerin interviewt, um mehr über ihren künstlerischen Weg zu erfahren. Zu meiner großen Freude wurde mir erlaubt, das Gespräch ins Deutsche zu übersetzen. Den englischsprachigen Originaltext findet ihr hier.

All images with kind permission from Return on Art.

Interview mit der Künstlerin

Wolltest du schon als Kind Künstlerin werden?

Ja! Schon immer! Ich erinnere mich, dass ich viele kleine Skizzenbücher hatte, in denen ich mir gerne Geschichten ausdachte und die ganze Geschichte auf vielen Seiten illustrierte – jedes Skizzenbuch war eine Geschichte. In all meinen Schuljahren war Kunst mein einziges Ziel. Das blühte auf, als ich nach Mailand zog, um an der Kunstakademie von Brera eine solide Basis für meinen Traum zu schaffen, wo selbst die Luft zum Atmen so inspirierend war.

Du scheinst dich ständig weiterzuentwickeln und neu zu erfinden – kannst du uns ein wenig über deinen künstlerischen Weg erzählen?

Ich betrachte Kunst gerne als etwas Lebendiges, das keine Grenzen kennt. Ich mag es nicht, in meiner Komfortzone zu bleiben – es ist sehr wichtig, die Unterschiede zu erkennen. Als Künstlerin denke ich, dass der Weg eine Mischung aus dem ist, was man gut kann, und immer neuen Ansätzen.

Handelt es sich dabei um einen allmählichen Prozess oder um eine rasche Entwicklung?

In der Anfangsphase war es ein eher schrittweiser Prozess, während sich in letzter Zeit alles beschleunigt hat. Zwei wesentliche Dinge sind gleichzeitig passiert: Die Zahl der Werke ist gestiegen und gleichzeitig ist auch die Zahl der Kategorien gewachsen. Manchmal sind die Kunstwerke sehr unterschiedlich. Ich habe das Gefühl, dass ich immer auf der Suche nach dieser Geschwindigkeit war, und jetzt bin ich bereit, meine ganze Energie darauf zu verwenden.

Das Werk "Die Überwindung des Sturms" von Golsa Golchini, 2020
Die Überwindung des Sturms, Golsa Golchini 2020
Du erforschst und kombinierst viele verschiedene Medien und Oberflächen – wie wählst du deine Materialien aus?

Ich denke nie nach, plane, skizziere oder wähle sie aus. Sie fallen mir immer ganz plötzlich und spontan ein – mein Hauptmerkmal beim Schaffen ist, dass ich nie etwas plane. Ich glaube, das ist eine Haltung, die alle Türen offen lässt.

Deine Werke vermitteln oft ein Gefühl von Abenteuer und Urlaub, gibt es da ein Element der Realitätsflucht?

Ich habe das nie geplant!! Plötzlich war ich von Menschen umgeben, die im Urlaub waren! Wenn ich ihre Ruhe sehe, muss ich lächeln. Sie zeigen gerne auf einen anderen Ort – Kunst hat die Kraft, uns an verschiedene Orte zu bringen, und meine Figuren sind normalerweise an Orten, an denen alles toll ist.

Du hast eine Serie von dreidimensionalen Werken mit dem Titel »Books in Quarantine« geschaffen – finden aktuelle Ereignisse Eingang in deine Arbeit?

Ja, auf jeden Fall – Bücher waren nur die Wegbereiter für einen neuen Weg, den ich zu beschreiten versuche, bei dem alles möglich ist. Ich liebe diese Herangehensweise an Skulpturen, und ich empfinde generell eine tiefe Freude daran, Kunst außerhalb des Rahmens zu sehen; Kunst, die alles regelt, indem sie keine Regeln hat.

Eine Hommage an Raffaelo von Golcha Golchini, 2020
Eine Hommage an Raffaelo, Golsa Golchini 2020
Hast du das Gefühl, dass das vergangene Jahr eine Verschiebung deiner persönlichen oder beruflichen Prioritäten bewirkt hat?

Auf jeden Fall ja. Meine Kunst hat mich und alles in meinem Leben in Beschlag genommen, und ich bin sehr froh, dass ich eine sehr unterstützende und kunstliebende Familie habe. Ich habe das Gefühl, dass ich noch so viel mehr zu bieten habe, und das hilft mir, fröhlich im Atelier zu bleiben und mindestens 10 Stunden pro Tag zu arbeiten.

Was hältst von der größeren Zugänglichkeit, die der Online-Verkauf von Kunst mit sich bringt?

Ich bin ein großer Fan von Online-Kunst! Ich habe das Gefühl, dass es sehr gut mit meiner Vorstellung von Kunst, die den Rahmen verlässt, übereinstimmt – Online-Galerien sind auch Galerien ohne Wände, und alles, was keine Grenzen hat, ist mächtig. In unserer Generation verlagert sich vieles auf Online-Plattformen, und wir müssen den Mut haben, uns zu verändern und an unsere Zeit anzupassen.

Gibt es etwas, das du als Künstlerin noch erreichen möchtest?

Jeden Tag schaffe ich etwa 2 Kunstwerke, während ich in meinem Kopf 10 erschaffen habe; es sind immer mehr als das, was ich tatsächlich jeden Tag zusammenstellen kann. Ich würde gerne physisch mit dem in Einklang stehen, was ich in meinem Kopf bin. Ich träume davon, in Zukunft ein Team von Künstlern zu haben, mit denen ich die Tür weit aufstoßen und die Kunstwerke in die Welt lassen kann.

Ich habe immer von einer Kunst geträumt, die keine Experten oder Profis braucht. Ich habe immer gewollt, dass die Menschen die Werke spüren und sich über das freuen, was sie persönlich wahrgenommen haben.

Was möchtest du mit deinen Werken beim Betrachter auslösen?

Glück. Das ist meine einzige Aufgabe – ich habe immer von einer Kunst geträumt, die keine Experten oder Profis braucht. Ich habe immer gewollt, dass die Menschen die Werke spüren und glücklich sind über das, was sie persönlich wahrgenommen haben.

Pinsel auf Leinwand, im rosafarbenen Farbklecks steht eine Frau und schüttelt ein weißes Laken aus dem offenen Fenster. Golsa Golchini, 2020
Ich wollte euch nur zum Lächeln bringen, Golsa Golchini 2020
Du hast mit anderen Kreativen wie Modemarken und Musikern zusammengearbeitet. Was bedeutet es für dich, wenn deine Arbeit in einem anderen Kontext erscheint?

Es war großartig zu sehen, dass ich Teil einer Kunst bin, die keine Grenzen kennt. Ich fühlte mich geehrt, von so erstaunlichen Künstlern und Unternehmen kontaktiert zu werden, und sie haben immer eine wichtige Rolle dabei gespielt, mir das Gefühl zu geben, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Bringen diese Kollaborationen etwas Neues in deine künstlerische Praxis?

Normalerweise sind die Vorschläge, die ich erhalte, völlig außerhalb meines Arbeitsfeldes, und wenn sie ihre Projekte vorstellen, fällt ein neues Licht auf mich. Diese Kooperationen zwingen mich dazu, aus meiner Komfortzone herauszutreten und neue Horizonte zu erkunden. Ich glaube auch, dass es für Künstler wichtig ist, an die Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten zu glauben. Wenn Kreativität zusammenfließt, ist das Ergebnis immer interessanter.

Deine Werke wurden auf der Instagram-Homepage und in mehreren Printpublikationen vorgestellt – hat sich diese erhöhte Sichtbarkeit auf dein Leben als Künstlerin ausgewirkt?

Ja, ich glaube, dass Ereignisse wie diese einen großen positiven Einfluss auf den Weg eines Künstlers haben; sie lassen das Feuer in einem heller brennen!

Welche anderen kreativen Bücher, Musik oder Filme inspirieren dich?

Nun, Bücher hatten keinen wirklichen Platz in meinem Leben, bis ich anfing, sie in Kunstwerke zu verwandeln – Filme und Fernsehen im Allgemeinen gibt es in meinem Leben so gut wie gar nicht – ich verwende die ganze Energie meiner Augen tagsüber für die Kunst – aber Musik spielt eine sehr große Rolle in meiner Kunst. Ich liebe es, Einaudi, Richter und Vivaldi zu hören, als emotionalen Soundtrack, und ich höre auch gerne Reden, während ich arbeite. Alan Watts ist mein Supermann. Es gibt auch einige Titel von Kunstwerken wie ‚Clouds never make mistakes‘ oder ‚Fire never burns itself‘, die von ihm inspiriert sind.

Was ist eine Errungenschaft, auf die du stolz bist?

Ich bin glücklich, dass ich diese intensive und tiefe Beziehung zwischen meiner Kunst und mir selbst spüre. Die Kunst ist irgendwie zu einer Herzensangelegenheit geworden; sie ruft eine große Freude in mir hervor, und ich glaube, darauf bin ich stolz.


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