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Auf alten Pfaden: Der Hadrianswall-Treck

Eine Gewissensfrage

Der Archäologieurlaub erfreut sich steigender Beliebtheit. Nicht alle beäugen diesen Trend ohne Sorge und es lässt sich wohl nur von Fall zu Fall entscheiden, inwiefern die Ermöglichung einer solchen Reise eher positiv oder negativ zu bewerten ist. Und so stellte ich mir jüngst die Frage, inwiefern eine eigenständige Wanderung entlang des Hadrianswalls im Norden Englands überhaupt vertretbar ist.

Warum nicht in den Fußstapfen der Römer wandern?

Um ehrlich zu sein, war ich alles andere als begeistert, als ich erstmals von der Wanderroute erfuhr, die Wanderfreunde und Geschichtsbegeisterte entlang des einstigen römischen Grenzwalls zwischen Newcastle und Solway Firth führt. Anhand der vielen Bilder, die im Netz kursieren, konnte ich sehr wohl sehen, wie nah dem UNESCO-Weltkulturerbe zu kommen ist. Augenblicklich stellte ich mir die Frage, ob eine solche Wandermöglichkeit eher nützlich oder schädlich für die Bewahrung dieses Denkmals ist.

Wer keinen Respekt vor kulturellem Erbe hat, könnte mancherorts auch direkt auf den Mauerresten laufen.
Wer keinen Respekt vor kulturellem Erbe hat, könnte mancherorts auch direkt auf den Mauerresten laufen.

Letztendlich ließen mich die Gedanken aber nicht mehr los – ich musste mir selbst ein Bild von der Lage schaffen. Und so begab ich mich mit einem besorgt aber neugierigen Gefühl in den hohen englischen Norden, darauf gefasst, einen mehr oder weniger ramponierten Wanderweg zu beschreiten und voller Furcht auch noch Teil dieser Zerstörung zu sein.

Dort, wo die Architektur noch steht

Ich entschied mich also für die etwa 65 kilometerlange Teilstrecke zwischen Corbridge und Carlisle, die etwa mittig der Gesamtstrecke liegt und über noch sichtbare Reste der römischen Wallanlage verfügt. Dazu zählen neben Überresten der eigentlichen Mauer auch Forts und die sogenannten Milecastles (Kleinkastelle). Aber auch die ausgegrabenen Überreste römischer Städte, deren Bäder und vieles mehr.Aus archäologischer Sicht also alles andere als uninteressant.

Aber in welchem Zustand würde ich diese Kostbarkeiten vorfinden?

Etwa alle 1.5 Kilometer passiert man, sofern erhalten, die Überreste der sogenannten Milecastles.
Etwa alle 1.5 Kilometer passiert man, sofern erhalten, die Überreste der sogenannten Milecastles, in denen die römischen Soldaten stationiert waren.

Zu meiner Überraschung – bis auf wenige Ausnahmen, zu denen ich gleich noch kommen werde – in einer erstaunlich guten. Wann immer ich auf Überreste der Wallanlage stieß, waren die Spuren der Initiativen zum Schutz derselben nicht zu übersehen. Meist handelte es sich hierbei lediglich um aufgestellte Schilder, auf denen Informationen über den Hadrianswall in den am häufigsten gesprochenen Sprachen gegeben waren. Diese Maßnahme ist einfach, aber sie war augenscheinlich effektiv – denn es waren kaum Schäden an den Mauerresten zu sehen. Zusätzlich waren an jenen Stellen, die von Erosion gefährdet waren, stets Schilder aufgestellt, die Wanderern den rechten und somit auch schonendsten Weg für das Gelände zeigten.

Natürlich sind Maßnahmen wie diese davon abhängig, dass sie von den Wanderern freiwillig angenommen und auch angewendet werden. Nach meinem persönlichen Urteil scheint sich die Mehrheit der Besucher allerdings wirklich daran zu halten.

Einfache Schilder weisen unterwegs bei jedem Antreffen des alten Mauerwerks darauf hin, womit es der Besucher zu tun hat und fördern somit den Respekt vor dem kulturellen Erbe.
Einfache Schilder weisen unterwegs bei jedem Antreffen des alten Mauerwerks darauf hin, womit es der Besucher zu tun hat und fördern somit auf schlichte Weise den Respekt vor dem kulturellen Erbe.

Weniger schön fand ich…

Nichtsdestotrotz – und es wäre wohl auch verwunderlich wenn nicht – fielen mir Dinge auf, die ich nicht gut und teilweise auch nicht vertretbar fand. Dazu gehörte zum einen die Möglichkeit mit Wanderstöcken zu laufen – eine Sache, die selbstverständlich kaum zu unterbinden ist, aber meiner Ansicht nach dennoch eine zusätzliche Forderung des Geländes mit sich bringt, die zur Erosion und somit zwangsläufig zu Beschädigungen des Weltkulturerbes führt.

Am bedenklichsten aber waren für mich jene Stellen, die das Betreten des Denkmals unumgänglich machten. Hier hätte ich mir den Einsatz von Glasplatten oder anderen Schutzmaßnahmen gewünscht – immerhin wird der Wanderweg gerade in den Sommermonaten einer hohen Belastung ausgesetzt. Die Besucher aufgrund mangelnder Alternativen regelrecht dazu zu zwingen die Überreste des Hadrianswalls zu betreten, empfinde ich als unvertretbar – es ist schlichtweg eine Botschaft, die man als Denkmalbehörde nicht mit den Grundsätzen zum Schutz unseres kulturellen Erbes vertreten kann.

Mein Fazit

Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass die Möglichkeit den Wanderweg entlang des einstigen Hadrianswalls zu beschreiten eine gute Möglichkeit ist, um die Besucher darauf aufmerksam zu machen, in welch geschichtsträchtiger Region sie sich befinden. Bis auf die oben genannten Ausnahmen gibt es viele Initiativen, die dazu beitragen, den Respekt vor und auch das Interesse an kulturellem Erbe zu fördern.

Ohne weitere Schutzmaßnahmenwerden die Überreste der Wallanlage auf längere Sicht allerdings Schaden nehmen.

Es gilt also, die bereits bestehenden Schutzmaßnahmen zu erweitern und neue Wege zu entwickeln, die zum Erhalt des Hadrianswalls beitragen können. Dazu könnte beispielsweise ein begrenzter Zugang gehören, wie er heutzutage auch in vielen Museen vollzogen wird, um ausgestellte Exponate – häufig Gemälde – zu schützen. Aber auch eine strengere Regelung zu Schuhwerk und anderem Wanderzubehör fände ich persönlich empfehlenswert.

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