Uwe Schlick / pixelio.de

readTicker: Art as Therapy (4)

Gelesen wird: Art as Therapy, von Alain de Botton und Lewis Armstrong (London, 2013)

 

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Kunstkauf und die Rolle der Postkarte

 

Was sagt unser Verhalten, Kunst zu kaufen, über uns aus?

Welche Bedeutung hat der Besitz von Kunstwerken überhaupt?

Und was wollen wir mit dem Ankauf von Kunst bezwecken?

 

Ob Kunstprofessor oder Orthonormal-Bürger, wir alle tun es – auch diejenigen, die sich angeblich nicht für Kunst interessieren. Wer es sich leisten kann, kauft beim Künstler seines Vertrauens oder in einer Galerie. Der Andere in der Dekoabteilung eines Kaufhauses oder der Malabteilung eines Baumarktes.

Objekt unser aller Begierde ist das Original eines Künstlers oder aber die Kopie eines solchen. Nicht selten bekommt das erworbene Stück einen ganz besonderen Platz in unserem zu Hause; an der Wand, auf dem Kaminsims und neben unserem Lieblingssessel.

Unserem Besuch zeigen wir damit unseren Geschmack, unsere Gelehrtheit oder aber einen Teil unserer Seele, je nachdem, ob wir das Werk auf Anraten eines Kunsthändlers oder aus einem persönlichen Impuls heraus gekauft haben.

 

Der eine Ort, an dem wir finden, was wir suchen!

Neben den bereits erwähnten Orten, an denen wir Kunst zu kaufen pflegen, gibt es allerdings noch einen ganz anderen, nicht weniger bedeutenden Ort, der uns dem Ziel unserer Kunst besitzenden Träume näher bringt. Infolge der beiden Autoren ist dies kein geringerer als der Museumsshop, der ganz nebenbei bemerkt, ihrer Meinung nach sogar der wichtigste aller Räume eines Museums ist.

Aber kann das wirklich stimmen?

Ist bspw. der Museumsshop des Pergamonmuseums wichtiger einzustufen, als der Altarraum selbst?

Allein der Gedanke daran tut irgendwie weh, oder?

 

Was hat es mit dem Museumsshop auf sich?

Genau genommen ist es ja tatsächlich so, dass sich der Kern des Museums in seinem hauseigenen Shop widerspiegelt. Immerhin sind dort jene Werke nochmals vorzufinden, an die wir uns erinnern sollten, wenn wir den Weg nach Hause antreten. Kaufen wir etwas vor Ort, nehmen wir dieses besondere Etwas sogar mit und lassen zumindest ein Werk von vielen auf besondere Weise nachwirken.

Bestimmen, was wir selbst als Erinnerung mitnehmen möchten, können wir nicht direkt, denn die Entscheidung, welche Werke es wert sind als Kopie verkauft zu werden, fällen nicht die Besucher, sondern die Menschen hinter den Kulissen des Museums. Mit etwas Glück finden wir aber dennoch das, wonach wir suchen. Nicht selten als Motiv auf einer Postkarte. Denn diese ist für jedermann erschwinglich und erlaubt es, nicht nur die Wiedergabe eines bestimmten Kunstwerks, sondern auch das Gefühl, das wir beim Betrachten desselben ganz persönlich in uns trugen, mit nach Hause zu nehmen.

Sicherlich greifen wir nach der Karte, auf der das Meisterwerk des Hauses abgebildet ist. Wir nehmen sie mit, einer Trophäe gleich, und können damit der ganzen Welt zeigen, dass wir dieses bedeutende Werk gesehen haben. Mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit aber, greifen wir auch nach einer zweiten, vollkommen anderen Karte, die wir ebenfalls mitnehmen und wie einen Schatz behüten werden. Entgegen des Meisterwerks befindet sich darauf allerdings das Bild des einen Werkes, das uns heimlich, still und leise, am tiefsten berührt hat.

Vielleicht ist es an der Zeit, die Schublade zu öffnen und diese Karten hervorzuholen?

Wer weiß, vielleicht sehen wir sie nun in einem ganz anderen Licht.


Bildquelle: Uwe Schlick  / pixelio.de

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