readTicker (3.4): Vermittlung als Chance

Museen ohne Vermittlung gibt es nicht. Und doch steht das Wort immer wieder unter einem weniger guten Stern, denn noch immer verbinden Viele die Vermittlung mit zu viel Spielerischem und zu wenig Fachlichem. Ein Trugschluss, denn erstens ist die Vermittlung weitaus mehr als Spiel und Spaß und zweitens ist sie der Schlüssel zu der im Grunde einzigen Sache, die ein Museum wirklich braucht: Besucherinteresse.


Gelesen wird:

Museen, Migration und kulturelle Vielfalt. Handreichungen für die Museumsarbeit.

Hg. Deutscher Museumsbund e. V. (2015)


Wie können Museen das Interesse für kulturelle Vielfalt und Migrationsgeschichte wecken?

Um das Interesse der Besucher zu wecken, gilt es in erster Linie Zielgruppen zu bestimmen. Neben Kultur- und Geschichtsinteressierten können bzw. sollten dies vor allem auch die Nicht-Besucher sein. Dabei ist es überaus wichtig, dass die Migration selbst kein Definitionsfaktor zur Eingruppierung von Besuchern ist, denn die sogenannten Sinus-Studien haben gezeigt, dass die Kultur- und Mediennutzung von Menschen mit Migrationshintergrund nicht von jener der übrigen Bevölkerung abweicht. Das Augenmerk sollte klar auf den sozialen Milieus liegen und nicht ausschließlich auf der geografischen Herkunft eines Menschen.

Ist dies erreicht, gilt es, sich von der bisherigen Konzentration auf das Thema Arbeitsmigration zu lösen. Denn auch, wenn diese Form ein wichtiger Teil der jüngeren Geschichte Deutschlands ist, so prägen viele weitere (beispielsweise die Bildungs- oder Flucht-Migration) die Entwicklung des Landes ebenso und auf vielfältige Weise mit.

Kooperation statt Lehrmeistermethode

Es gilt also, sich der Breite des Themas zu öffnen und sich von einem eher inhaltsträchtigen Vermittlungskonzept zu lösen. Denn was ist der eigentliche Inhalt einer Ausstellung und wie schnell kann diese zu einer Art einseitiger Berichterstattung verkommen? Nur, wer bereit dazu ist, sich einer Thematik von vielen Seiten zu öffnen, kann letztlich auch ein so vielschichtiges Thema wie die Migrationsgeschichte ausreichend beleuchten. Dazu bedarf es neben dem Willen diesen Weg überhaupt zu gehen, den Schritt in das Gespräch – mit Fachleuten, Museumsbesuchern, Migrationsorganisationen aber auch mit Schulen, Vereinen und anderen gesellschaftlichen Interessengruppen. Auf diese Weise versteht sich das Museum eher als Plattform der Zusammenkunft für ein gesellschaftliches Miteinander, als für den Ort der Lehre mit gehobenem Zeigefinger.

Doch so gut dies in der Theorie auch klingen mag. Einfach ist die Aufgabe mit Sicherheit nicht. Denn letztlich ist das Museum kein Freizeitheim. Die Kunst liegt also vor allem darin, den ungeheuren Balanceakt der Vermittlung nicht nur zu gehen, sondern diesen auch zu meistern. Dies ist durchaus möglich, erfordert jedoch die Bereitschaft das ein oder andere Wagnis einzugehen und hier und da etwas gänzlich Neues zu erproben.

Vielfalt statt nationaler Sichtweise

In den Schulklassen ist die bunte Mischung unserer Gesellschaft seit Langem angekommen. Insbesondere in ethnologischen, kulturhistorischen und historischen Museen tut sich die kulturelle Vielfalt indes noch etwas schwer, denn der Blickwinkel ist oft von einem sehr regionalen wie auch nationalen Blickwinkel betrachtet. Um auf unterschiedliche Perspektiven aufmerksam zu machen, ist die Sprachenvielfalt in den Ausstellungen ein erster wie auch wichtiger Schritt. Womit, wenn nicht der Sprache, lassen sich Barrieren zwischen den vielen Zielgruppen eines Museums besser abbauen?

In diesem Zusammenhang erweisen sich thematisch ausgerichtete Aktionen und Projekte als besonders wertvolle Ressourcen. Neben Sprach- und Integrationskursen sind insbesondere Themen der Globalisierung und der sogenannten Transkulturalität für diesbezügliche Angebote geeignet. Denn auch in der Museumswelt gilt: Das Angebot bedingt die Nachfrage. Ebenso, wie Museen neue Wege erproben sollten, sind also auch wir, die Besucher, gefragt, diese zu beschreiten.


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