Porträt: Pam Roxwell

Könnte man vor Kreativität platzen, sie würde es tun

Pam Roxwell, 38, ist Fotografin, Model, Multitalent. Ihre Bilder strotzen vor Energie und stehen so ihrer eigenen Persönlichkeit in nichts nach – davon bin ich bereits im ersten Moment unseres Treffens überzeugt. Denn hinter der sich mit Schwung öffnenden Wohnungstür in einem typischen Berliner Altbau empfängt mich die Fotografin mit einem Lächeln, das augenblicklich ansteckt und das von einer Energie umgeben ist, für die es schlichtweg keine Worte gibt.

Sie ist, ganz wie auf ihren Selbstporträts, voller Leidenschaft und Freude – kein vollkommen anderer Mensch, sondern einfach nur sie selbst. Und so ist sie auch schon auf halbem Weg in ihrem Studio verschwunden und erzählt munter drauf los, als würden wir uns schon ewig kennen. Ungewohnt, aber irgendwie schön.

Ich folge ihr und finde mich dort wieder, wo ihre Werke entstehen. Hier fotografiert sie Menschen in all ihren Formen und Facetten. Ihr Blick richtet sich dabei immer auf das, was jeden Einzelnen besonders macht. Selbst beschreibt sie ihre Arbeit als stetige Suche nach jenem Charakter einer Person, der diese in einem gänzlich anderen Licht bzw. von einer bislang meist unbekannten Seite zeigt. Dinge wie Alter und Körperform spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Jeder Mensch ist schön – die Ideale unserer Gesellschaft überbewertet. Und so empfindet sie es auch nicht als große Herausforderung Models abzulichten, denn diese haben, was vielen anderen von uns fehlt: ein Bewusstsein über ihre Schönheit.

Auf diese Weise sind die Arbeiten von Pam Roxwell als Augenöffner zu verstehen, denn es geht vor allem darum, seinen Körper so zu nehmen, wie er ist. Ganz gleich, welche Kleiderform man trägt oder welche Form Gesicht und Körper haben mögen.

„Mein Glaube ist, dass wir noch toleranter mit unterschiedlichen Körpern umgehen sollten,“

sagt sie, und bezieht sich somit auf eines der Themen, das auch uns auf KuKu in diesem Jahr immer wieder beschäftigt hat.

Pam Roxwell
Foto: Pam Roxwell

Inspiration findet sie vor allem bei den Arbeiten vor einer weißen Leinwand mit frontaler Belichtung von Terry Richardson. Aber auch die Aktfotografien Helmut Newtons und die Art, wie dieser Frauen ablichtete, beeindrucken sie sehr. Dabei ist es insbesondere die Provokation, die ihr gleichermaßen gefällt und sie reizt. Wann immer möglich, versucht sie deshalb auch diese Aspekte in ihren Werken umzusetzen. Ideen dazu hat sie viele und geht ihr einmal ein Model aus oder hat sie gerade keines zur Hand, scheut sie auch nicht davor zurück, selbst vor der Kamera Platz zu nehmen. Erfahrungen auf dieser Seite der Linse hat sie ohnehin bereits fleißig gesammelt – warum also nicht?

Der Gedanke, dass sie tatsächlich erst vor anderthalb Jahren den Weg hinter die Kamera gefunden hat, überrascht mich durchaus. Denn sowohl während unserer Gespräche als auch bei dem Betrachten ihrer Werke könnte man meinen, sie würde dies schon immer tun. Aus diesem Grund bin ich bereits sehr gespannt, in welche Richtung sie sich entwickeln wird. Eines ist bei einem derart kreativen und energiegeladenen Menschen wie Pam Roxwell nämlich garantiert: ständige Bewegung, mutige Experimente und niemals auch nur ein Hauch von Stillstand.


Mehr über Pam erfahrt ihr hier.


Dieser Beitrag ist Teil der KuKu kompakt. Mehr Bilder und den besagten Artikel findet ihr auf den Seiten 40-43 der Ausgabe 12/2015.