Justitia - die Personifikation der Gerechtigkeit. Bildnachweis: Pixabay.com

readTicker(3.1): Museen, Migration und kulturelle Vielfalt

Migration ist in aller Munde. Immer häufiger schließen sich auch Museen der Diskussion an. Warum eigentlich? Dieser und vielen weiteren Fragen gehen wir ab sofort mit dem neuen readTicker auf den Grund.


Gelesen wird:

Museen, Migration und kulturelle Vielfalt. Handreichungen für die Museumsarbeit.

Hg. Deutscher Museumsbund e. V. (2015)


Museum und Migration: Gehört das überhaupt zusammen?

Diese Frage stellen viele. Dennoch ist die Antwort denkbar simpel: JA! Das Thema Migration gehört in die Museen – nicht in eines, nicht in zwei, sondern in alle musealen Institutionen eines Landes. Denn infolge des Internationalen Museumsrats ICOM sind Museen gemeinnützige Einrichtungen, »die im Dienst der Gesellschaft und ihrer Entwicklung« stehen. Und eine Gesellschaft richtet sich nicht vorrangig nach der Nationalität jener Menschen, die diese bilden. Sie ist mehr, denn eine Gesellschaft besteht aus Menschen jeden Alters, verschiedenen Geschlechts, unterschiedlichster Weltanschauungen, Glaubensrichtungen und vielem mehr. Unsere Kultur ist vielfältig und komplex. Die Aufgabe der Museen ist es, einen Querschnitt zu machen, der möglichst viele Menschen und Lebenswelten ihrer Gesellschaft betrifft. Denn alle haben das Recht auf kulturelle Teilhabe.

Ist das Museum für alle realistisch?

Nein. Selbstverständlich ist es eine Sache der Unmöglichkeit jeder einzelnen Gruppe einer Gesellschaft gerecht zu werden und das auch noch auf eine Weise, die alle gleichberechtigt behandelt. Doch darum geht es auch nicht. Eine Entschuldigung für die einseitige Wissens- und Kulturvermittlung ist dies jedoch nicht. Wer sich also der Idee öffnet, die tatsächliche Vielfalt unserer Gesellschaft anzuerkennen und diese auch in der musealen Welt zu integrieren, hat bereits einen großen Schritt getan.

Das Museum für alle mag ein unerreichbares Ziel bleiben. Ein Museum für möglichst viele ist es jedoch nicht. Und so gilt es, sich an dieser Stelle selbst zu hinterfragen, neue Strategien zu erproben und mutiger zu sein, als man es bislang im Museumssektor gewesen ist.

Was geht all dies den Otto Normalbürger an?

Alles! Denn obgleich der Leitfaden Museen, Migration und kulturelle Vielfalt. Handreichungen für die Museumsarbeit für Museen bestimmt ist, geht die Thematik jeden Einzelnen von uns etwas an. Immerhin sind wir diejenigen, welche die Gesellschaft ausmachen, die nicht nur in Museen geht, sondern auch sich selbst dort wiederfinden kann.

Sind unsere Museen wirklich perfekt?

Wie sollen sie die Vielfalt einer Gesellschaft darstellen, wenn diese es selbst nicht erkennt?

Wie viel Querschnitt verträgt ein Museum, bevor es seinen eigentlichen Fokus verliert?

Und warum kommen diesbezügliche Diskussionen erst bei einem so brisanten Thema wie der Flüchtlingsproblematik auf? Viele andere Gruppen, darunter Kinder, Jugendliche, alte oder auch kranke Menschen, erhalten ebenso wenig Platz in einem Großteil der Ausstellungen von heute.

Bereits in seinem Titel bringt es dieser Leitfaden des Deutschen Museumsbundes auf den Punkt:

Auf die kulturelle Vielfalt kommt es an!

Migration ist in diesem Sinne nur einer von vielen Bereichen, die unsere Gesellschaft zu dem formen, was sie ist.

In den kommenden Teilen des neuen readTickers werden viele Fragen und Lösungsvorschläge für den Weg zu einem Museum mit Querschnitt auf uns warten.

Ich bin gespannt!


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