Kunst, Körper und Toleranz: Ein Blick auf die kommenden 12 Monate (Teil 3)

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Nachdem es in den ersten beiden Teilen um Fragen zu Kunst und Körper ging, soll es im dritten und letzten Teil dieser Reihe um das Thema Aufklärung und Toleranz gehen. Im Fokus stehen diesmal zwei Sonderausstellungen, die sich besonders aktuellen Themen widmen – nämlich dem Leben außergewöhnlicher Menschen, die weitaus mehr Anerkennung verdienen, als sie momentan von ihren Mitmenschen erhalten.

Teil 3: Platz für Aufklärung und Toleranz

Von aktuellen Abenteuervorstellungen und Kriegserlebnissen

Wie interessant kann eine Ausstellung mit dem Titel »Dänischer Soldat in Afghanistan« schon sein?

Die Frage ist unüberlegt und rührt von einem Unwissen her, das weiterhin zu dem sarkastischen Gedanken führt, ob Dänemark vielleicht nur diesen einen Soldaten hingeschickt haben mag?

Die Realität sieht anders aus. Wir sind es nur nicht gewohnt, sie zu sehen. Und so zeigt uns »Den fjerne krig – dansk soldat i Afghanistan (Der ferne Krieg – dänischer Soldat in Afghanistan)« anhand des einzelnen Soldaten einen Blick auf den Krieg, der durchaus unerwartet und mit einer geballten Wucht auf unsere Gedanken einschlägt.

Alles beginnt in einem säuberlich eingerichteten Jugendzimmer, in dem ein Schreibtisch, ein Bett und alles weitere zu finden ist, das sich in unser aller Jugendzimmern befunden hat. Lediglich die gepackten Militärrucksäcke in der hinteren linken Ecke gehören – zumindest bei vielen – nicht zur Erinnerung dazu. Direkt daneben ist eine Tür und dahinter eine andere Welt.

Denn ab hier ist der Boden sandig und man steht inmitten eines nachgebauten Militärlagers, in dem man die Baracken oder auch einen der Wachtürme betreten und in die Ferne blicken kann. Die Feldbetten stehen in einem starken Kontrast zu dem kuscheligen Bett, auf das man noch eben geschaut hatte und die schusssichere Weste ist um einiges schwerer, als vielleicht gedacht. Die Abenteuervorstellungen, die viele junge Menschen von dem Zug in den Krieg haben, wird bereits beim ersten Betreten relativiert – denn dies ist der reale Nachbau eines Militärlagers und die Konfrontation mit dem, was einen wirklich erwarten wird.

Es geht weiter auf Patrouille, durch die einsame afghanische Landschaft und in ein kleines Dorf, in dem kleine Wohnungen eingerichtet sind, die das Leben der Menschen vor Ort zeigen. Ein Video mit einem kleinen afghanischen Jungen läuft stetig im Hintergrund, der nach seinen Erlebnissen befragt wird und es wird klar, wie anders das Leben dieser Menschen sein muss.

Nicht jeder kehrt unversehrt von hier zurück. Auch das macht diese Ausstellung ganz unmissverständlich klar. Denn letztendlich geht es nicht um die Porträtierung eines Krieges, sondern um das Schweigen und das Unwissen zu Hause. Und an eben dieser Stelle ist es vollkommen unerheblich, ob dieses zu Hause in Dänemark oder in einem anderen Land ist. Aus diesem Grund ist diese Ausstellung ein wichtiger und zudem unerlässlicher Bestandteil der Aufklärung über das, was viele Soldaten erleben und mit nach Hause bringen. Ein Besuch lohnt sich für alle, die ihre Augen nicht länger davor verschließen wollen, was Tag täglich auf dieser Welt passiert.


Weitere Informationen zu dieser Sonderausstellung:

Wann?Wo?ÖffnungszeitenKostenSonstiges

Bis Ende 2016

Adresse:

Tøjhusmuseet (Zeughausmuseum), Tøjhusgade 3, 1220 Copenhagen K, Denmark

Hinweise zur Erreichbarkeit:

Busse:

2A, 9A und 40 bis Haltestelle »Børsen«

1A, 2A, 11A, 14, 14, 26 und 40 bis Haltestelle »Stormbroen«

9A bis Kongelig Bibliotek (Königliche Bibliothek/Schwarzer Diamant)

Dienstag bis Sonntag sowie an allen dänischen Feiertagen: 12:00-16:00 Uhr

Der Eintritt ist Frei!

Nähere Informationen zur Sonderausstellung »Den fjerne krig – dansk soldat i Afghanistan (Der ferne Krieg – dänischer Soldat in Afghanistan)« gibt es hier in englischer Sprache.


Es geht um mehr als schlichte Toleranz

Für einen nicht weniger wichtigen Augenöffner haben sich auch das Deutsche Historische Museum und das weltweit einzigartige Schwule Museum in Berlin zusammengetan. Vom 26.6. bis 01.12.2015 werden die beiden Häuser die Doppelausstellung »Homosexualität_en« zeigen, in der es um weitaus mehr als den Aspekt der Toleranzförderung gehen soll.

Auf einer insgesamt 1.600 qm umfassenden Ausstellungsfläche wird es darum gehen 150 Jahre Geschichte der Emanzipation Homosexueller und das dafür erbrachte Engagement der lesbischen Bewegung angemessen zu würdigen. Darüber hinaus soll die Ausstellung Vorurteile und Fragen zu Normalität zur Diskussion stellen.

Die dazu verwendeten Exponate sind sowohl aus künstlerischen Bereichen wie der Literatur oder der bildenden Kunst wie auch von historischer und dokumentarischer Natur.

Beide Häuser werden zudem ihre eigenen Schwerpunkte zur Ausstellung setzen. Um welche es diesbezüglich genau gehen wird, bleibt abzuwarten.


Weitere Informationen zu dieser Sonderausstellung:

Wann?Wo?ÖffnungszeitenKostenSonstiges

Zu sehen vom 26.6.2015 – 01.12.2015

Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin

Schwules Museum, Lützowstraße 73, 10785 Berlin

Deutsches Historisches Museum: Täglich 10 – 18 Uhr, geschlossen 24. Dezember

Schwules Museum: Mo, Mi, Fr, So 14 bis 18 Uhr, Do 14 bis 20 Uhr, Sa 14 bis 19 Uhr, Di geschlossen

 

Deutsches Museum: Eintritt bis 18 Jahre frei, Erw. 8 €, ermäßigt 4 €

Schwules Museum: Bis 16 Jahre freier Eintritt. Erw. 7,50 Euro/ ermäßigt 4,50 Euro

Hier gibt es den Flyer zur Ausstellung.

Die Projektbeschreibung »Geschichte der Homosexualität(en) -Deutsches Historisches Museum und Schwules Museum Berlin«  der Kulturstiftung des Bundes

Der Beitrag »Ausstellungsprojekt: „Homosexualität_en« bei Berlinonline.de


Quellverweis Titelbild:

Das Soldatenzimmer zeigt, wie sich dänische Soldaten während ihrer Zeit an der Front in Afghanistan auf wenig Platz einrichten. Foto: Nationalmuseet, CC.