Kriegsgräber:»Toter sucht Angehörigen«

Eine Aktion des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Es gibt viele Arten von Friedhöfen. Während einige von ihnen geradezu idyllisch erscheinen, sind andere unheimlich oder gar trostlos – verwahrlost. Auch Kriegsgräberstätten zählen dazu. Entgegen der gewöhnlichen Friedhöfe sind diese allerdings Ort des Gedenkens und Mahnmal zugleich, denn sie erinnern auf erschreckende Weise an das, was einst war und versuchen so zu verhindern, dass dergleichen noch einmal geschieht.

Verschollen, vermisst und gefunden

Diejenigen, die hier liegen, tun dies auf engstem Raum. Sie sind einer von Vielen – lösen sich geradezu auf, in den unzähligen Namen, die auf den Grabsteinen geschrieben stehen. Einige Wenige liegen hier, während ihre Angehörigen darum wissen. Die große Mehrheit jedoch wurde niemals gesucht oder nirgends gefunden. Dabei ist es keineswegs so, dass die hier Liegenden unauffindbar sind. Zugegeben: Die Suche ist oft schwer. Deshalb benötigt es manchmal den richtigen Ansprechpartner oder eine unterstützende Hand.

Dies kann der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. sein – eine humanitäre Organisation, die derzeit 832 Kriegsgräberstätten in Europa und Nordafrika betreut, auf denen etwa 2,7 Millionen Kriegstote begraben sind. Bis heute kommen jährlich rund 30.000 tote Soldaten oder auch zivile Kriegsopfer hinzu, indem diese von der Organisation gefunden und umgebettet werden. Die Chance steht somit gut, ein Familienmitglied zu finden, das seit dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg als vermisst gilt.

Mit dieser Anzeige macht der Volksbund Deutsche Kriegsgräber e.V. derzeit auf die Aktion "Toter sucht Angehörigen" aufmerksam - ein Aufruf, den ich selbstverständlich teile.
Mit dieser Anzeige macht der Volksbund Deutsche Kriegsgräber e.V. derzeit auf die Aktion „Toter sucht Angehörigen“ aufmerksam – ein Aufruf, den ich selbstverständlich teile.

Schicksalsklärung und Familienzusammenführung

Alles, was benötigt wird, ist der Name, das Geburtsdatum oder der Geburtsort. Auch das Todes- oder Vermisstendatum kann ein nützlicher Hinweis oder sogar ausreichend sein. Sofern die gesuchte Person gefunden und bereits eingetragen wurde, kann diese über ein Onlinesuchformular gefunden werden.

Da derzeit noch 800.000 weitere Namen bekannt, aber bislang nicht eingespeist werden konnten, lohnt sich auch ein späteres, wiederholtes Abfragen. Worauf beim Ausfüllen der Suchanfrage zu achten ist und wie es geht, ist auf der Homepage der Organisation nachzulesen.

Wer weiß, vielleicht ist die gesuchte Person am Ende tatsächlich gefunden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dieser Moment von einem Wechselspiel der Gefühle geprägt sein kann. Einerseits schließt sich eine Lücke, die seit Jahrzehnten über der Familiengeschichte klaffe. Andererseits steht man vor der oftmals bitteren Gewissheit des Schicksals eines Menschen, den wir, die Nachkommen, oftmals niemals getroffen haben, die aber dennoch eine Rolle in unserem Leben spielte.

Die Antwort, welche der Volksbund Deutsche Kriegsgräberstätten e.V. den Angehörigen geben kann, ist niemals schön. Denn sie bedeutet den Tod eines Familienmitglieds. Gleichzeitig setzt sie den vielen Fragen und vor allem der Ungewissheit ein Ende und mehr noch, sie gibt jenen, die es brauchen, einen Ort des Gedenkens an einen geliebten Menschen.

 


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