Vor etwa 10.000 Jahren beginnt der Mensch seine Umwelt nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Dies setzt er bis heute fort. Neben der Erschaffung von Wohnraum ist die Nahrungsmittelgewinnung ein treibender Faktor - damals wie heute. Foto: pixabay.com

#jungsteinzeit2016: Essen damals und heute

Essen! Jeder tut es – jeder braucht es, denn die Nahrungsaufnahme ist wie Atmen oder Schlafen ein natürliches Grundbedürfnis des Menschen. Doch es ist noch sehr viel mehr als das. Essen ist neben dem Augenscheinlichen auch ein kulturelles Phänomen, das sich beispielsweise nach sozialem Status, religiösen Vorstellungen oder auch ethischen Faktoren richtet. Deshalb sprechen wir heute gerne von einer regelrechten Ernährungskultur.

Und damals?

Ob die Menschen der Jungsteinzeit Essen als Überlebensnotwenigkeit erachteten oder als Teil ihrer Kultur, lässt sich heute nur mutmaßen. Lediglich eines ist sicher: Sie begannen mit der Lebensweise, die wir bis heute fortführen – sesshaft und zu großen Teilen auf Ackerbau und Viehzucht basierend.

Hat sich also überhaupt etwas verändert?

In gewisser Weise alles, aber irgendwie auch nichts.

Ganz gleich ob heute oder vor 10.000 Jahren – der Mensch errichtet Häuser, um darin zu leben, baut an, um die Nahrungsmittelversorgung zu garantieren und züchtet Vieh, um sich Arbeit abnehmen zu lassen oder es – ebenso wie das Getreide – zu verspeisen. Auffallend anders ist lediglich die Skala, auf der sich das Ganze abspielt. Während vieles damals von dem abhängig war, was die unmittelbar umgebende Natur einem bot, richtet sich für den Großstädter von heute alles nach dem Angebot des Supermarktes um die Ecke.

Lust auf was Süßes? Das hatte der Mensch schon immer. Heute kommen wir nur sehr viel einfach an die süßen Sachen als damals - dem Supermarktregal sei Dank (oder verflucht sei das Supermarktregal?).
Lust auf was Süßes? Das hatte der Mensch schon immer. Heute kommen wir nur sehr viel einfach an die süßen Sachen als damals – dem Supermarktregal sei Dank (oder verflucht sei das Supermarktregal?). Foto: pixabay.com

Unser Leben ist sorgenfrei, denn es gibt Essen zu jeder Zeit und auf etliche Weisen. Wer will, kocht selbst. Andere bestellen sich etwas nach Hause oder wählen den Gang ins Lieblingsrestaurant. Wir essen, was uns schmeckt, lassen aus, was wir nicht mögen und nehmen Formen der Ernährung an, von denen zur Jungsteinzeit vielleicht nicht einmal jemand zu träumen wagte. Wir können alles sein: Veganer, Vegetarier, Paläo-Anhänger, Bio-Verfechter, Fast-Food-Esser oder, oder, oder. Unser Essenskulturuniversum ist grenzenlos. Nicht einmal das Klima und Umwelteinflüsse berühren uns wirklich. Denn im Supermarkt gibt es eben einfach immer alles. Manches ist einfach etwas teurer und woran das liegt, das fragen sich die Wenigsten.

Zur Jungsteinzeit dürfte das noch anders ausgesehen haben. Blieb die Ernte aus, war man schnell mit Problemen konfrontiert, die den meisten in unserer heutigen Gesellschaft vollkommen unbekannt sind. Dabei ist es keinesfalls so, dass in unserer Zeit niemand mit vergleichbaren Überlebensproblemen konfrontiert ist. Zu nennen wären beispielsweise Obdachlosigkeit und Altersarmut, denn während damals das Potenzial der umliegenden Natur zählte, ist heute fast alles abhängig von Geld – einer Sache, die den Menschen der Jungsteinzeit noch kein Begriff gewesen ist, um die sich heutzutage aber das ganze Leben zu drehen schient.

Darin findet sich auch die Antwort auf die Frage, wie die Ernährung heute aussieht. Ernährung ist, was man sich leisten kann – finanziell aber auch zeitlich gesehen. Denn während man in der Jungsteinzeit den Großteil des Tages mit der Lebensmittelbeschaffung verbracht haben wird, haben wir heute durch die Schnelllebigkeit im Supermarktmekka Zeit, um uns Gedanken über Essen zu machen, uns zu informieren und Meinungen zu bilden oder zu Vertreten, die mit allem rund um das Essen zu tun haben.

"Worauf habe ich heute Lust?" Ob die Jungsteinzeitler auch den Luxus dieser Frage hatten? Wir werden es nie zu 100%iger Sicherheit erfahren.
„Worauf habe ich heute Lust?“ Ob die Jungsteinzeitler auch den Luxus dieser Frage hatten? Wir werden es nie zu 100%iger Sicherheit erfahren. Foto: pixabay.com

Dieser Beitrag ist Teil der Begleitreihe zu der Serie:

#jungsteinzeit2016 vom LVRLandesMuseum Bonn.

 

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Wer mehr über die deutsche Ernährungskultur erfahren will, kann dies zum Beispiel hier tun.