Unter den Funden befand sich ein etruskischer Tonsarkophag, auf dessen Deckel eine Frauenfigur liegt. Sie ist besonders farbenprächtig und somit überaus kostbar. Eine wahre Schönheit, die nun hoffentlich ihren endgültigen Platz in einem der Museen Mittelitaliens finden wird. Crédit: © Ministère public genevois

Hunderte etruskische Artefakte kehren nach Italien zurück

Es sollte mehr als 15 Jahre dauern, bis die bei Raubgrabungen im italienischen Latium und Umbrien entwendeten Artefakte etruskischen Ursprungs in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Nun, seit Januar 2016, ist es endlich soweit. Die lange Suche der Schweizer Behörden hat zumindest in diesem Fall die gestohlenen Kulturgüter in einem Warenlager ausfindig gemacht und sichergestellt. Neben zwei Tonsarkophagen fanden sie Vasen, Büsten, Fresken, Reliefs sowie Votive und andere Objekte religiösen Kontexts vor, die nun allesamt an Italien übergeben wurden.

Ali Babas Höhle

Der Ort, an dem die Kulturgüter letztendlich wiederentdeckt wurden, ist kein Unbekannter, denn es handelt sich um den Freihafen von Genf – einem derart beliebten Aufbewahrungsort für Kunstwerke, dass er den Spitznamen »Ali Babas Höhle« trägt. Wie viele Kulturgüter sich hier befinden und in welchem Umfang es sich dabei um Raubkunst handelt, ist unmöglich abzuschätzen. Der aktuelle Fall führt jedoch unmissverständlich vor Augen, mit welchen Problemen sich Archäologen und Behörden Tag täglich konfrontiert sehen.

Obgleich die Waren unter dem Decknamen einer Briefkastenfirma verstaut worden waren, gehen die Behörden davon aus, dass ein britischer Kunsthändler dahinter steckt. Einen Namen gaben sie bislang allerdings nicht bekannt.

Das traurige Schicksal etruskischer Gräber

Sowohl Latium als auch Umbrien sind Teile der einstigen Etruskergebiete, die sich im heutigen Mittelitalien bis über die Toskana erstreckten. Immer wieder kommt es in diesen Regionen zu illegalen Grabungen, von denen einzelne Kriminelle aber auch regelrechte Banden ihren Lebensunterhalt erzielen. Sie zu überwachen oder gar auf frischer Tat zu erwischen ist denkbar schwer. Allein die Nekropole (Friedhof/Totenstadt) Cerveteri erstreckt sich über mehr als 2 Kilometer und umfasst Tausende von Grabhügeln und Grabkammern, von denen viele bis heute nicht von Archäologen entdeckt worden sind bzw. werden konnten. Denn Gelder sind knapp, nicht nur bei den Archäologen selbst, sondern auch bei jenen Behörden, die sich dem Schutz der Kulturgüter widmen.

Dass etwas nach seiner Entwendung aus den Grabanlagen überhaupt noch einmal auftaucht, kommt nicht häufig vor. In diesem Fall jedoch ist das beinahe Unmögliche gelungen. Es bleibt abzuwarten, ob und inwiefern die Artefakte nun in den Ausstellungen und Museen im einstigen Etruskergebiet integriert werden (können).

Nicht weniger beeindruckend ist der Deckel des zweiten Sarkophags, der in dem Warenlager entdeckt worden ist. Funde wie diese zeigen, wie viel und vor allem welche Kostbarkeiten durch illegale Graungen verloren gehen. Crédit: © Ministère public genevois
Nicht weniger beeindruckend ist der Deckel des zweiten Sarkophags, der in dem Warenlager entdeckt worden ist. Funde wie diese zeigen, wie viel und vor allem welche Kostbarkeiten durch illegale Graungen verloren gehen. Crédit: © Ministère public genevois

Mehr über die Nekropole von Cerveteri findet ihr hier.


Hier geht es für weitere Informationen zur Pressemitteilung vom. 14.1.2016.


In „Schatzsuche und der Drang nach Aktualität“ geht es um eine ähnliche Problematik.

 

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