Portrait des Kardinals André-Hercule de Fleury im Vierfarbdruck von 1738 (separiert). Foto: Jacob Christoph Le Blon [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Mann, der den Mehrfarbdruck erfand

Spätestens beim nächsten Wechsel der Patronen unseres Farbdruckers werden sie uns anspringen: Cyan, Magenta, Yellow (Gelb) und Key (Schwarz). Der Mehrfarbdruck ist seit Langem unser ständiger Begleiter, nicht erst, seitdem das Gerät Einzug in unsere Arbeitszimmer erhalten hat. Am 23. Mai 2017 jährt sich der Geburtstag des Erfinders des mehrfarbigen Druckverfahrens zum 350. Mal. Doch während seine Erfindung bis heute Bestand hat, ist Jakob Christoph Le Blom nur noch den wenigsten ein Begriff. Grund genug also, ihm im Rahmen der Jubiläumsreihe 2017 den Monat Mai zu widmen.

 

Jakob Christoph Le Blon

Der deutsche Kupferstecher und Maler Jakob Christoph Le Blon wurde am 23. Mai 1667 in Frankfurt am Main als Sohn eines Buchhändlers geboren. Für damalige Verhältnisse führte er ein durchaus bewegtes Leben, in dessen Verlauf er in mehreren europäischen Städten haltmachte und immer wieder mit Rückschlägen konfrontiert war.

Großmütterlicherseits ist Jakob Christoph Le Blon mit der berühmten Merian-Familie verwandt, denn Susanne Barbara Merian war die Tochter des berühmten Matthäus Merian dem Älteren, und somit ist er in diesem Jahr sogar der zweite Merian mit einem runden Jubiläum (siehe auch: Maria Sibylla Marian – Die Frau, die aus Raupen Schmetterlinge machte).

Die Anfänge

Seine Ausbildung soll der junge Jakob Christoph Le Blon zwischen 1696 und 1702 als Schüler von Carlo Maratti – dem Meister des klassizistischen Hochbarock – in Rom erhalten haben. Im Anschluss an diese Jahre zog es ihn nach Amsterdam und London, wo er heiratete und bis 1717 als Miniaturmaler lebte, arbeitete und selbst ausbildete.

In dieser Zeit kam er zu der Erkenntnis, dass sich alle sichtbaren Objekte mit den drei Farben Gelb, Rot und Blau – richtig gemischt – darstellen ließen, woraufhin er seine ersten Dreifarbdrucke mit Kupferplatten durchführte und versuchte, sowohl in Den Haag als auch in Paris, ein Patent auf seinen Dreifarbdruck zu erlangen. In beiden Städten scheiterte er jedoch mit diesem Vorhaben.

Coloritto: Die Schrift über Farben

Erst 1719 sollte es ihm gelingen, ein 14-jähriges königliches Exklusivrecht auf die Vervielfältigung von Bildern  in natürlichen Farben zu erwirken. In diesem Zusammenhang gründete er mit dem britischen Offizier John Guise die Firma Picture Office und veröffentlichte seine Schrift  „Coloritto: Or the Harmony of Colouring in Paintingdas“, in der er seine These des Mehrfarbdrucks der breiten Öffentlichkeit vorstellte.

Diese hatte sich mittlerweile sogar zum noch heute angewendeten Vierfarbdruck entwickelt, denn Le Blon erkannte schnell, dass das Einsetzen einer weiteren (schwarzen) Druckplatte von großem Forteil war. Insbesondere dann, wenn es darum ging, Kontraste hervorzuheben oder Farben in ihrer Helligkeit bzw. einer dunkleren Variation herzustellen.

1725 veröffentlichte Le Blon die Beschreibung eines Dreifarbsystems in seinem Buch „Coloritto: Or the Harmony of Colouring in Painting.“ By Jacob Christoph Le Blon (The Science of Color, reprint of page of Coloritto) [Public domain], via Wikimedia Commons

Letzte Jahre und Tod

Allen Bemühungen und dem verliehenen Privileg zum Trotz sollte die 1719 gegründete Firma bereits sechs Jahre später zugrunde gehen. Und auch das zweite, 1727 verliehene Privileg auf die Anwendung des Dreifarbdrucks bei der Herstellung von bedruckten Stoffen endete in einem derartigen Desaster, dass es Le Blon 1734 zur Flucht in die französische Hauptstadt veranlasste.

In Paris räumte ihm letztlich Ludwig XV. das Privileg auf die Herstellung farbiger Reproduktionsdrucke ein, die tatsächlich zu jener Zeit in Frankreich sehr beliebt waren. Seine letzten Jahre verbrachte Le Blon sodann in Paris, wo er Drucke nach Vorlagen aus der Malerei, aber auch nach seinen eigenen Werken anfertigte.

Er verstarb am 15. Mai 1741. Doch sein Mehrfarbdruck geriet schnell in Vergessenheit – die Farbdrucke der darauffolgenden Zeit wurden matt und braunstichig. Dennoch bildet seine Farbtheorie die Grundlage für unsere heutigen Drucktechniken.


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe: Jubiläum 2017

Dazu zählen:

Die Frau, die aus Raupen Schmetterlinge machte

Die Worte der Queen

Beethovens „Liebeslied“

Ella – Zum 100. Geburtstag der Jazz-Ikone

Der Mann, der den Mehrfarbdruck erfand

Degas: A Passion for Perfection

Ich habe nie getanzt


Mehr über Jakob Christoph Le Blon erfahrt ihr beispielsweise hier:

J. Christofle Le Blon 1667-1741. Der Erfinder des Drei- und Vierfarbendrucks

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