Ludwig van Beethoven (1770–1827). Joseph Karl Stieler [Public domain], via Wikimedia Commons

Beethovens „Liebeslied“

Noten sind nicht alles

Nach zwei Monaten und zwei bemerkenswerten Frauen ist es im Rahmen der Jubiläumsreihe 2017 an der Zeit einen Mann auf die Bühne zu holen. Einen, der sich dort bestens auskennt und von dem wir hier auf KuKu eine Seite zeigen wollen, die vielen vielleicht noch nicht vertraut ist.

Ludwig van Beethoven

Selbst die Taubheit hielt den deutschen Pianisten und Komponisten Ludwig van Beethoven (1770–1827) nicht von dem ab, was er liebte: der Musik. Und so führte er die Wiener Klassik zu ihrem Höhepunkt, bereitete aber auch der Musik der Romantik den Weg. Der Aussage Franz Gerhard Wegelers nach zu urteilen, war Beethoven nicht nur im musikalischen Sinne, sondern auch privat gesehen ein Romantiker. Verliebt sei er demnach oft gewesen. Verheiratet hingegen nie.

Ein undatierter und nicht eindeutig addressierter Brief Beethovens, der Datierungen zufolge aus den Jahren 1801 oder 1807 stammen muss, gibt hingegen Einblick in die Gefühlswelt des Pianisten und regt zu der Vermutung an, dass alles hätte anders sein können. Denn eine ganz besondere Frau in seinem Leben hat es allem Anschein nach gegeben. Wer diese Unbekannte ist, weiß bis heute leider niemand.

 

am 6ten Juli Morgends. –

Mein Engel, mein alles, mein Ich. – nur einige Worte heute, und zwar mit Bleystift (mit deinem) – erst bis morgen ist meine Wohnung sicher bestimmt, welcher Nichtswürdiger Zeitverderb in d.g. – warum dieser tiefe Gram, wo die Nothwendigkeit spricht – Kann unsre Liebe anders bestehn als durch Aufoperungen, durch nicht alles verlangen, kannst du es ändern, daß du nicht ganz mein, ich nicht ganz dein bin – Ach Gott blick in die schöne Natur und beruhige dein Gemüth über das müßende – die Liebe fordert alles und ganz mit Recht, so ist es mir mit dir, dir mit mir – nur vergißt du so leicht, daß ich für mich und für dich leben muß, wären wir ganz vereinigt, du würdest dieses schmerzliche eben so wenig als ich empfinden – meine Reise war schrecklich ich kam erst Morgens 4 uhr gestern hier an, da es an Pferde mangelte, wählte die Post eine andre Reiseroute, aber welch schrecklicher Weg, auf der vorlezten Station warnte man mich bey nacht zu fahren, machte mich einen Wald fürchten, aber das Reizte mich nur – und ich hatte Unrecht, der Wagen muste bey dem schrecklichen Wege brechen, grundloß, bloßer Landweg, [durchgestrichen: und di] ohne 2 solche Postillione, wie ich hatte, wäre ich liegen geblieben Unterwegs. – Esterhazi hatte auf dem andern gewöhnlichen Wege hierhin dasselbe schicksaal, mit 8 Pferden, was ich mit vier. – Jedoch hatte ich zum Theil wieder vergnügen, wie immer, wenn ich was glücklich überstehe. – nun geschwind zum innern vom aüßern, wir werden unß wohl bald sehn, auch heute kann ich dir meine Bemerkungen nicht mittheilen, welche ich während dieser einigen Tage über mein Leben machte – wären unsre Herzen immer dichtan einander, ich machte wohl keine d.g. die Brust ist voll dir viel zu sagen – Ach – Es gibt Momente, wo ich finde daß die sprache noch gar nichts ist – erheitre dich – bleibe mein Treuer einziger schaz, mein alles, wie ich dir das übrige müßen die Götter schicken, was für unß seyn muß und seyn soll. –

dein treuer ludwig. –

Abends Montags am 6ten Juli –

Du leidest du mein theuerstes Wesen – eben jezt nehme ich wahr daß di eBriefe in aller Frühe aufgegeben werden müßen. Montags – Donnerstags – die einzigen Täge wo die Post von hier nach K. geht – du leidest – Ach, wo ich bin, bist du mit mir, mit mir und dir rede ich mache daß ich mit dir leben kann, welches Leben!!!! so!!!! ohne dich – Verfolgt von der Güte der Menschen hier und da, die meyne – eben so wenig verdienen zu wollen, als sie zu verdienen – Demuth des Menschen gegen den Menschen – sie schmerzt mich – und wenn ich mich im Zusammenhang des Universums betrachte, was bin ich und was ist der – den man den Größten nennt – und doch – ist wieder hierin das Göttliche des Menschen – ich weine wenn ich denke daß du erst wahrscheinlich Sonnabends die erste Nachricht von mir erhältst – wie du mich auch liebst – stärker liebe ich dich doch – doch nie verberge dich vor mir -g ute Nacht – als Badender muß ich schlafen gehen – [durchgestrichen: o geh mit, geh mit -] Ach gott – so nah! so weit! ist es nicht ein wahres HimmelsGebaüde unsre Liebe – aber auch so fest, wie die Veste des Himmels. –

guten Morgen am 7ten Juli –

schon im Bette drängen sich die Ideen zu dir meine Unsterbliche Geliebte, hier und da freudig,
dann wieder traurig, vom Schicksaale abwartend, ob es unß erhört – leben kann ich entweder nur ganz mit dir oder gar nicht, ja ich habe beschlossen in der Ferne so lange herum zu irren, bis ich in deine Arme fliegen kann, und mich ganz heymathlich bey dir nennen kann, meine Seele von dir umgeben in’s Reich der Geister schicken kann – ja leider muß es seyn – du wirst dich fassen um so mehr, da du meine Treue gegen dich kennst, nie eine andre kann mein Herz besizen, nie – nie – O Gott warum sich entfernen müßen, was man so liebt, und doch ist mein Leben in V.[ien] so wie jezt ein kümmerliches Leben – Deine Liebe macht mich zum glücklichsten und zum unglücklichsten zugleich – in meinen Jahren jezt bedürfte ich einiger Einförmigkeit Gleichheit des Lebens – kann diese bey unserm Verhältniße bestehn? – Engel, eben erfahre ich, daß die Post alle Tage abgeht – und ich muß daher schließen, damit du den B. gleich erhältst – sey ruhig, nur durch Ruhiges beschauen unsres Daseyns können wir unsern Zweck zusammen zu leben erreichen – sey ruhig – liebe mich – heute – gestern – Welche Sehnsucht mit Thränen nach dir – dir – dir – mein Leben – mein alles – leb wohl – o liebe mich fort – verken[ne] nie das treuste Herz deines Geliebten

L.

ewig dein
ewig mein
ewig unß


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe: Jubiläum 2017

Dazu zählen:

Die Frau, die aus Raupen Schmetterlinge machte

Die Worte der Queen

Beethovens „Liebeslied“

Ella – Zum 100. Geburtstag der Jazz-Ikone

Der Mann, der den Mehrfarbdruck erfand

Degas: A Passion for Perfection

Ich habe nie getanzt

 

Quelle

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