Das ArchäOmobil steht im Museum und Park Kalkriese. Von April bis November ist es für Gruppenbesuche und an offenen Tagen für Besucher zugänglich. © Varusschlacht im Osnabrücker Land/Hermann Pentermann

Archäologie trifft ArchäOmobil

Es ist ein offenes Geheimnis: Archäologen graben gar nicht so viel, wie man denkt. Und doch ist die Enttäuschung im ersten Moment immer wieder groß, wenn man dies preisgibt. In Kalkriese geht es diesem Vorurteil nun mächtig an den Kragen, und zwar mit einem Bauwagen voller Sachen, die Archäologen neben dem Graben tatsächlich auch machen.

Eine Forschungsstation auf vier Rädern

Zugegeben: Fahren tut es nicht, das sogenannte ArchäOmobil. Aber das ist auch nicht nötig. Immerhin stehen seine Artgenossen – jene Bauwagen, die auf unzähligen archäologischen Grabungen in der ganzen Welt zu finden sind – meist irgendwo im Nirgendwo, als Dreh und Angelpunkte für alle, die dort arbeiten. Dort wird gezeichnet, dokumentiert und erforscht, aber auch gelagert, gegessen, gelitten und gelacht. All das gehört eben dazu – zum Grabungsalltag, unter dem sich manch einer nicht so recht vorstellen kann, was es eigentlich bedeutet.

Hier, im Museum und Park Kalkriese, kann jeder, der daran interessiert ist, Einblicke in die archäologische Praxis erfahren – interaktiv und auf vielfältige Weise. Dazu stehen insgesamt sechs Lernstationen bereit, die sowohl Kindern und Jugendlichen als auch Erwachsenen zeigen, was alles Teil des archäologischen Alltags sein kann. Zutritt erhält man an offenen Tagen, die zwischen April und November wiederholt stattfinden oder aber über den Besuch vor Ort mit der Schulklasse.

Was ist im ArchäOmobil zu erwarten?

Wer den Weg ins ArchäOmobil gefunden hat, steht inmitten einer Forschungsstation, die Einblicke in die archäologische Arbeitswelt gibt. Bilder und Illustrationen, Karten und Skizzen sowie Beschreibungen und Notizen geben Antworten auf Fragen, welche die Planung und den Ablauf archäologischer Grabungen betreffen. Darüber hinaus geht es um Themen wie Fundauswertung, Methodik und Restaurierung.

Allerdings kommt man nicht zum Lesen her und so geht es an den Lernstationen an die Arbeit. Vermessungen müssen gemacht, Zeichnungen erstellt, Bergungen und Analysen durchgeführt werden.

Was benötigt man eigentlich zum Erstellen einer Fund- oder Feldzeichnung? Wie können Funde geborgen werden und wie geht das Vermessen einer Grabungsfläche vonstatten? Fragen wie diese haben sich viele niemals gestellt, während sie sich die Arbeit als Archäologe vorstellten. Das Entdecken und die Konfrontation mit der tatsächlichen Vielschichtigkeit des Berufs ist deshalb für alle, Groß und Klein, ein ganz besonderes Erlebnis.

Selbst geforscht ist erfolgreich gelernt

Natürlich könnte man es bei einer schlichten Ausstellung über Archäologie belassen. Nachhaltig lernen, funktioniert allerdings auf dem interaktiven Weg erheblich besser. Das hat man im Museum und Park Kalkriese augenscheinlich nicht nur erkannt, sondern es wird im ArchäOmobil auch durchgehend praktiziert. Zu jeder der sechs Lernstationen gibt es deshalb Info- und Arbeitsblätter, die im Anschluss an einen Besuch vor Ort mit nach Hause genommen werden können. Darauf werden beispielsweise die Funde gezeichnet, die bei der Bergung gemacht worden sind.

Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle die beiden Lernstationen der Pollenanalyse und der Münzdatierung, die zu Bereichen gehören, die im Anschluss an eine Grabung stattfinden können. Durch sie werden wichtige Bestandteile der archäologischen Arbeit an den Besucher des ArchäOmobils vermittelt, die mit der Untersuchung und der Auswertung von Fundmaterial in Verbindung stehen. Dazu steht beispielsweise ein Mikroskop bereit, unter dem Pollen nicht nur betrachtet, sondern auch identifiziert werden können. Zudem liegen Münzkatalog und Lupe bereit, um Datierungen vornehmen zu können.

An dieser Lernstation findet die Pollenanalyse statt. Dabei steht das Mikroskop helfend zur Seite. © Varusschlacht im Osnabrücker Land/Hermann Pentermann

Fächerübergreifend, nicht nur im archäologischen Sinne

Nicht fehlen darf natürlich auch der gegenseitige Austausch zwischen den vielen unterschiedlichen Bereichen, die hier im ArchäOmobil als Lernstationen dargestellt sind. Deshalb findet am Ende des 90-minütigen Programms die sogenannte Expertenrunde statt. Alle Arbeitsschritte, die durch die Lernstationen erkundet und durchlaufen worden sind, werden nun miteinander verknüpft. Man tauscht sich aus, präsentiert seine Ergebnisse und klärt gemeinsam viele der Fragen, die unterwegs aufgekommen sind.

Dadurch entsteht ein Bewusstsein darüber, was Archäologie eigentlich ist: eine Wissenschaft, die sich einer Vielzahl von Werkzeugen bedienen kann, um Antworten auf die vielen Fragen zu finden. Das Graben selbst relativiert sich durch die im ArchäOmobil gemachten Erfahrungen zu einem dieser Werkzeuge, das erst in Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaften (hier beispielshalber die Pollenanalyse) und vielen weiteren Disziplinen zu einem Ergebnis führt.

Doch es geht beim ArchäOmobil um mehr, als die Vermittlung von Archäologie, denn neben dem Einblick in die Wissenschaft erlernt man beinahe unbemerkt eine ganze Reihe anderer Dinge, die nicht nur wichtig sind, sondern auch Spaß machen. Es geht beispielsweise um Sprache, das eigenständige Erfassen von Zusammenhängen und die Kunst, gemeinsam etwas zu erarbeiten. Aus diesem Grund stufe ich dieses Projekt als überaus wertvoll und absolut empfehlenswert ein, denn wie bei jeder guten Vermittlung geht es vor allem darum, Vorurteile abzubauen und Brücken zu schlagen, die zu einem besseren Verständnis eines größeren Ganzen beitragen. Meiner Ansicht nach geschieht dies hier auf eine wunderbar vielseitige und vor allem wirkungsvolle wie auch nachhaltige Weise.

Ich bin gespannt, in welche Richtung sich das ArchäOmobil noch entwickeln wird – denn eine Sache ist klar: Es handelt sich hier nicht um eine einmal entworfene Idee, die danach keinen Fortschritt mehr sieht. Alles bewegt sich und das ist gut, denn der Blick auf andere Länder macht deutlich, dass wir in Deutschland noch sehr viel nachzuholen haben, wenn es um das Thema Archäologievermittlung geht.

Um es mit den Worten meiner ehemaligen Deutschlehrerin zu sagen: »Weiter so!«

Ihr habt das Problem erkannt, nehmt es am Schopf und macht etwas ganz wunderbares daraus! Ich wünsche mir sehr viel mehr solcher Projekte in unserer Museumswelt.


Weitere Informationen zum ArchäOmobil:

WissenswertesWo?Buchung

Geeignet für die Jahrgangsstufen 5 bis 13 und Erwachsene

Die Buchung der Führung „ArchäOmobil“ ist notwendig, um Zutritt zu erlangen.

Begleitet wird die Gruppe durch einen Führungsreferenten.

Dauer: 90 Minuten

Museum und Park Kalkriese

Venner Straße 69

49565 Bramsche-Kalkriese

Öffnungszeiten:

Tägl. 10:00 – 18:00

November bis März:

Dienstag bis Sonntag 10:00 – 17:00 (Montags geschlossen)

Das ArchäOmobil erfordert immer eine Buchung. Mehr dazu unter: Buchung.

Weitere Informationen gibt es hier.

Buchung von April bis November unter: 05468 9204-200 oder fuehrungen@kalkriese-varusschlacht.de

Kosten pro Schüler inkl. Museumseintritt und Material: 6 EURO

Kosten bei Erwachsenengruppen inkl. Museumseintritt und Material: 10 EURO


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Aufgepasst!

Mehr Informationen gibt’s im Flyer zum ArchäOmobil 

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