Archäologie! Aber wie?

Ob und in welchem Umfang Archäologie an Schüler vermittelt wird, liegt hauptsächlich im Ermessen des jeweiligen Lehrers. Mit etwas Glück zählt man also zu jenen Schülern, die eine ihrer Projektwochen mit dem Thema Archäologie verbringen oder ein Museum besuchen dürfen. Aber welche Fächer bieten sich hierfür überhaupt an? Und wie genau kann oder sollte die Archäologievermittlung an Schulen umgesetzt werden?

Archäologie in dänischen Schulen

Eine neue Schulreform in Dänemark könnte jetzt ganz heimlich, still und leise zur Klärung dieser Fragen beitragen, denn diese setzt einen Abschlusstest aller neunten Klassen des Landes voraus, in dem die naturwissenschaftlichen Fächer thematisch vereint werden sollen. Gezielte Vorgaben zur Umsetzung gibt es nicht und so obliegt es den Kommunen und Schulen, selbst eine Lösung zu finden.

Was haben Chemie, Biologie, Physik und Geografie gemeinsam?

Ziel des Ganzen ist nicht nur eine fächerübergreifende Lehre an Schulen, sondern auch ein praxisnahes und anwendungsorientiertes Lernen für die Schüler. Eine Koppelung zwischen Theorie und Praxis soll es sein und ein Zugeständnis, dass das Lernen an sich viele Formen annehmen kann – der Frontalunterricht nicht immer die perfekte Lösung für alles und jeden ist.

In Holstebro, einer Stadt im Norden Jütlands, ergreift man nun die Gelegenheit beim Schopf, denn Archäologie ist so viel mehr als Geschichte, Kunst und Kultur. Schon lange sind die Naturwissenschaften Teil archäologischer Arbeit. Warum also nicht den Schritt gehen und den Schülern einen konkreten Zusammenhang zwischen dem Gelernten aus Biologie, Chemie, Physik und Geografie und der Welt außerhalb geben?

Warum muss ich wissen, wie die Knochen heißen? Wozu brauche ich das? Fragen wie diese kommen im Unterricht immer wieder vor. Das Pilotprojekt des Holstebro Museums versucht nun Kindern Antworten auf ihre Fragen zu geben und sie in den direkten Kontakt mit der außerschulischen Welt zu bringen. Foto: Pixabay.com CC0 Public Domain
Warum muss ich wissen, wie die Knochen heißen? Wozu brauche ich das? Fragen wie diese kommen im Unterricht immer wieder vor. Das Pilotprojekt des Holstebro Museums versucht nun Kindern Antworten auf ihre Fragen zu geben und sie in den direkten Kontakt mit der außerschulischen Welt zu bringen. Foto: Pixabay.com CC0 Public Domain

Die Archäologie als roter Faden

Bislang kennen wir den roten Faden nur aus den sprachlichen Fächern und schriftlichen Aufgaben. Warum aber finden wir ihn so selten im fächerübergreifenden Bereich? Das Pilotprojekt »Naturwissenschaftslehrer zum Archäologen!« des Holstebro Museums soll hierfür eine konkrete Lösung bieten, die nicht in einer Projektwoche realisiert wird, sondern sich über das gesamte Schuljahr erstreckt. Ann Bodilsen, die Museumspädagogin des Holstebro Museums und Mitbegründerin des Projekts hat sich freundlicherweise viel Zeit genommen, um mir die Idee und den geplanten Verlauf zu erörtern.

Drei Phasen soll es geben:

  • Eine Verständnisphase, in der es den Lehrern und Museumspädagogen obliegt zu ergründen, was Archäologie eigentlich ist und auf welche Weise die jeweiligen naturwissenschaftlichen Fächer darin Tag täglich Anwendung finden. [Theorie]
  • Eine Vertiefungsphase, in der die Schüler eine Ausgrabung besuchen, auf der sie beispielsweise selbst Erdproben entnehmen dürfen, um anschließend im Unterricht Untersuchungen daran vorzunehmen. Darüber hinaus erfahren sie hier ebenfalls, was Archäologen eigentlich auf einer Grabung tun, wie dies geschieht und warum – vor allem aber, dass es auch ein »nach der Grabung« gibt. Zurück im Klassenzimmer geht es dann an die naturwissenschaftlichen Methoden, wie die C14 Datierung (radiologische Datierung), die Dendrodatierung (Bestimmung der Jahresringe von Bäumen) oder auch anthropologische Untersuchungen an Skeletten (Bspw. Alters- oder Geschlechtsbestimmung anhand der Knochen), die extra zu diesem Zweck vom anthropologischen Institut aus Kopenhagen zur Verfügung gestellt wurden. [Praxis]
  • Am Ende des Schuljahres erfolgt schließlich die sogenannte Feedbackphase. Dort werden die Schüler abermals das Museum in Holstebro besuchen und die Gelegenheit dazu haben das vergangene Jahr zu besprechen und zu bewerten. Sollten sie überzeugt von dem Projekt sein, wird es als Mustervorlage für alle Schulen des Landes freigestellt werden und könnte somit zu einem lange überfälligen Einzug der Archäologie ins Klassenzimmer beitragen – zumindest in Dänemark.

Was haltet Ihr von dieser Idee?

Ist es an der Zeit die Türen der Klassenzimmer zu öffnen und aktiv an Bereichen des Arbeitslebens teilzunehmen, um die gelernte Theorie besser anwenden und verstehen zu können?


Ich für meinen Teil bin bereits sehr gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird, denn persönlich finde ich sie mehr als fesselnd, inspirierend und innovativ. Deshalb wünsche ich Ann Bodilsen und ihrer Testklasse viel Spaß und viel Erfolg bei der Erprobung dieses einzigartigen wie auch vielversprechenden Projekts.


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