Screenshot der Archäo-App des Holstebro Museums und des Museum Sønderjylland, Dänemark. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum

Archäo-App: virtuelle Vermittlung mit Nachhaltigkeit

Dänemark macht’s vor!

Einmal im Leben Archäologe sein. Davon träumen viele. Ans Ziel gelangen allerdings die wenigsten. Doch damit ist jetzt Schluss – zumindest digital gesehen. Denn eine App macht nun im Kleinen möglich, was sich große und kleine Archäologiebegeisterte schon immer gewünscht haben – den Einblick in den Berufsalltag eines Archäologen.

Und wie sieht dieser aus?

Ich habe es mir einmal ganz genau angesehen!

»Ich bin Archäologe« – die App für Groß und Klein

Der Tag beginnt im Büro. Sechs Ausgrabungen häufen sich auf dem Schreibtisch und warten darauf, in Angriff genommen zu werden. Womit ich beginne, obliegt mir, denn ich bin der zuständige Archäologe an diesem Tag.

In den Regalen rings um mich herum kann ich mich belesen. Dort gibt es ein »Archäologen ABC« mit Informationen über die Grabungsarbeit, kurze Beschreibungen über die naturwissenschaftlichen Disziplinen, die den Archäologen bei ihrer Arbeit helfen können und Näheres zu den Funden, die ich auf den Grabungen machen kann. Denn alles, was ich in dem Spiel erleben werde, ist im echten Leben bereits geschehen. Die Grabungen fanden wirklich statt, die Funde wurden tatsächlich gemacht und sie sind heute in Dänemark zu Teilen im Holstebro Museum und dem Museum Sønderjylland ausgestellt. Jenen Institutionen, die in einer Kooperation die Archäo-App ins Leben gerufen haben.

Auf dem Grabungsfeld

Um entscheiden zu können, wo gegraben wird, halten Archäologen Ausschau nach besonderen Merkmalen in der Landschaft. Dazu gehören beispielsweise dunkle Verfärbungen oder auch Erhöhungen und Vertiefungen im Gelände. Dies wird auch dem App-Archäologen abverlangt. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum
Um entscheiden zu können, wo gegraben wird, halten Archäologen Ausschau nach besonderen Merkmalen in der Landschaft. Dazu gehören beispielsweise dunkle Verfärbungen oder auch Erhöhungen und Vertiefungen im Gelände. Dies wird auch dem App-Archäologen abverlangt. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum

Sobald ich mich für eine der Ausgrabungen entschieden habe, geht es auch schon los. Von nun an sind Konzentration und Aufmerksamkeit gefragt, denn wie im echten Archäologenleben muss die richtige Stelle erst noch gefunden werden. Dazu gilt es in einem ersten Schritt, nach Abweichungen in der Landschaft Ausschau zu halten. Dies können beispielsweise dunkle Verfärbungen oder Erhebungen der Fläche sein. In gewissen Fällen kann auch eine Begehung mit dem Metalldetektor helfen, geeignete Bereiche in dem Gebiet zu finden.

Wo ich letztendlich mit dem Graben beginne, steht mir vollkommen frei. Ebenso wie die Entscheidung, ob ich zunächst den Bagger kommen lasse oder vorsichtiger vorgehen möchte.

Einfache Navigation

Bild des Monats "Januar 2016". Screenshot der Archäo-App des Holstebro Museums und des Museum Sønderjylland, Dänemark. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum
Es ist ratsam die erste Schicht vom Bagger abtragen zu lassen, damit sichtbar wird, wo im Anschluss mit Vorsicht weitergemacht werden m uss. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum

In der oberen Menüleiste sehe ich, wie viel Geld mir zur Verfügung steht und wie viele Funde sich insgesamt auf der Karte verstecken. Letzteres ist im echten Archäologenleben natürlich niemals vorhersehbar. Für ein Spiel ist ein solcher Hinweis allerdings sehr nützlich.

In der Menüleiste am unteren Bildschirmrand befinden sich alle Gerätschaften, die mir zur Verfügung stehen. Dies sind: ein Bagger, eine Schaufel, eine Kelle und ein Metalldetektor. Der Zeitaufwand und die Kosten der jeweiligen Methoden unterscheiden sich sehr voneinander, was die Arbeit auf einer echten Grabung gut widerspiegelt. Um eine der Aktionen durchzuführen, genügt ein Klick auf den jeweiligen Button. Anschließend kann ich auf dem Raster des Ausgrabungsfeldes markieren, wo gegraben werden soll und in welchem Umfang. Ist dieser Befehl ausgeführt, kommen die verantwortlichen Teammitglieder und führen die gewünschte Aktion durch.

Finden, Bergen und dann?

Ist ein Fund gemacht, erscheint ein grünes Banner. Wer mit kleinem Gerät weitergräbt, kann durchaus auch in den darunterliegenden Schichten noch etwas finden. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum
Ist ein Fund gemacht, erscheint ein grünes Banner. Wer mit kleinem Gerät weitergräbt, kann durchaus auch in den darunterliegenden Schichten noch etwas finden. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum

Das Spiel schreitet in dem von mir vorgegebenen Tempo voran. Gehe ich zu grob vor, gehen Funde verloren oder sie werden zerstört. Mein Team signalisiert mir dies mit einem roten Fähnchen.

Sind die Archäologen hingegen der Meinung, dass demnächst mit Funden zu rechnen ist, erscheint ein gelbes Banner, um mich zu informieren, dass ich von nun an nur noch per Kelle arbeiten lassen sollte.

Sobald Funde gemacht werden, erscheinen diese grün markiert. Die Vermessung und weitere Schritte, welche normalerweise nach einem Fund auf einer Grabung folgen, führt das Team selbstständig durch. Alles, was ich tun muss ist, aufzupassen, dass nichts kaputt gemacht wird. Dies würde beispielsweise passieren, wenn ich an einer Fundstelle nochmals mit der Schaufel graben lasse. Per Kelle kann es aber durchaus weitergehen. Immer Schritt für Schritt und Schicht für Schicht. Auch dies ist eine gelungene Widergabe dessen, was auf einer echten Ausgrabung geschieht.

Das Ende der Grabungssaison ist erreicht, sobald alle Funde gemacht sind oder aber, wenn die Finanzierung ausgeht. In beiden Fällen geht es nun ab ins Labor.

Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an

Im Anschluss an die Grabung geht es zur Auswertung in das Labor. Hier fängt die Arbeit erst richtig an. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum
Im Anschluss an die Grabung geht es zur Auswertung in das Labor. Hier fängt die Arbeit erst richtig an. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum

In der Vorstellung vieler hört der Archäologen-Alltag mit dem Ende der Grabung auf. Doch in Wahrheit beginnt nun erst der Teil, den die meisten Archäologen sogar viel spannender finden: nämlich die eigentliche Auswertung des Fundmaterials und die anschließende Rekonstruktion. Auch das ist in der App auf anschauliche Weise wiedergegeben, indem im Labor verschiedene naturwissenschaftliche Methoden durchgeführt werden müssen, um Antworten auf die vielen unbeantworteten Fragen zu finden.

Wer hier keine Fehler macht, hat am Ende des Spiels eine detaillierte Rekonstruktion vor sich liegen, die ebenfalls per Klick näher erforscht werden kann.

Am Ende einer Erfolgreichen Grabung und Auswertung der Funde steht die Rekonstruktion. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum
Am Ende einer Erfolgreichen Grabung und Auswertung der Funde steht die Rekonstruktion. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum

Im Anschluss kann auf diese Rekonstruktion auch vom Schreibtisch aus zurückgegriffen werden. Sollte man sich dafür entscheiden, die Grabung noch einmal durchzuführen, kann man die Rekonstruktion gegebenenfalls noch mit jenen Funden ergänzen, die beim ersten Mal nicht gleich gemacht worden sind.

Einerseits scheint es nicht sonderlich realistisch, dass immer und immer wieder an derselben Stelle gegraben werden kann. Andererseits ist es aber tatsächlich häufig so, dass Archäologen über mehrere Jahre am selben Ort graben und ihre Forschung durch neue Funde erweitern. In diesem Sinne lässt sich auch daraus eine gewisse Nähe zur Realität ableiten.

Mein Fazit

Die Archäo-App ist spürbar durchdacht und mit viel Liebe zum Detail versehen. Als Archäologin fällt es mir nicht schwer zu sehen, dass hier der Versuch gemacht wird, bestmöglich zu schildern, was alles zum Arbeitsalltag eines Archäologen gehört.

Die Tatsache, dass die hier spielbaren Grabungen wirklich von den Museen durchgeführt worden sind, ist von großer Wichtigkeit. Denn hier geht es um mehr als nur die Vermittlung dessen, was ein Archäologe tut. Es geht darum, den Besuchern der beiden Museen, die hinter dem Projekt stehen, zu zeigen, wie die Funde ins Museum gelangten, woher sie stammen und was sie bis zum endgültigen Standort in einer Vitrine alles erlebt haben.

Neben Arbeitsgeräten und Rekonstruktionen der Grabungen, sind auch einige der Funde ausgestellt, die man nun in der App machen kann. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum
Einige der Funde, die man nun in der App machen kann, sind auch in den Museen ausgestellt. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ann Bodilsen, Holstebro Museum

Gleichzeitig spielen und im Realen sehen bzw. erleben zu können, stufe ich als ungeheuer wertvolle Erfahrung ein. Zudem verleiht die Möglichkeit, die App mit all ihren Funden mit nach Hause nehmen zu können eine Nachhaltigkeit, die ihresgleichen sucht.

Der einzige Nachteil am Ganzen: die Sprache!

Wer kein Dänisch kann, muss leider auf den Informationsteil verzichten und kann sich auch nicht der Hilfestellungen bedienen. Allerdings ist das Spiel durchaus auch ohne das Lesen durchführbar. Von daher bleibt mir an dieser Stelle nur noch die wärmste Empfehlung, dies einfach einmal auszuprobieren.

Wer weiß – vielleicht steckt ein bislang ungeahnter Archäologe in Dir!


Hier geht es zum Download der App: Jeg er arkæolog


Die FAQs findest du hier.


Siehe auch:

Archäologie! Aber wie?

Archäologie trifft ArchäOmobil

Archäologie gehört ins Klassenzimmer

Indiana Jones Light