Appalachian Trail: Tricky Trees

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Auf die kalte aber sonst angenehme Nacht folgt ein eisiger Morgen. In Gang zu kommen ist eine ziemliche Herausforderung. Doch als Anja und Nadine erst einmal aufgebrochen sind, kommt die Wärme zurück in die Knochen und es geht langsam besser. Die Sonne scheint, für schlechte Laune ist kein Platz, und bald beginnen sie über kleinere umgefallene Bäume zu scherzen, die den Weg versperren.


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe: Zwei Frauen, 3500 Kilometer, 14 Staaten, 180 Tage …

«Wie bist du über den Baum gekommen?»

Nicht, weil umgefallene Bäume per se eine lustige Sache sind, sondern weil der Anblick die beiden an eine ihrer Lieblingsszenen aus Picknick mit Bären – einem Buch des US-amerikanischen Journalisten und Schriftstellers Bill Bryson – erinnert, das schon so manchen Thru hiker vor ihnen inspiriert hat. Das Buch handelt von Bryson’s eigenen Erfahrungen auf dem Appalachian Trail, die er in den 1990er-Jahren gemeinsam mit seinem Freund Katz machte. Unter anderem beschreibt er im ersten Teil des Buches, wie er es schaffte einen Baum zu passieren, der den Wanderweg gänzlich versperrte und somit ein geradezu unüberwindliches Hindernis darstellte, ohne sich auch nur im geringsten daran zu erinnern. Eine Sache, die seinem Freund Katz vollkommen unerklärlich blieb, hatte doch ebendieser Baum ihn selbst fast in die Knie gezwungen.

Seitdem Anja und Nadine aufgebrochen sind, stoßen sie immer wieder auf kleinere Bäume, die direkt auf dem Trail liegen. Unüberwindbar sind sie bisher jedoch noch nie gewesen. Und so lachen sie jedes Mal und fragen sich insgeheim, ob es sich bei dem unüberwindbaren Hindernis von Katz vielleicht um ein solches Bäumchen gehandelt haben könnte. Bis zu dem Moment, in dem sie sich plötzlich vor einem Baum wiederfinden, der ihnen dick und bräsig den Weg versperrt.

Was nun, mit einem 18-Kilo-Rucksack auf dem Rücken?

Da Nadine die Schlafmatten außen an ihrem Rucksack trägt, passt sie definitiv nicht unter dem Baum hindurch. Darüber klettern geht allerdings auch nicht. Sie entscheidet sich also dazu, den Rucksack auszuziehen, diesen über den Baumstamm zu heben und selbst unten hindurch zu krabbeln. Anja hingegen will es wissen und stürzt sich mitsamt Rucksack unter den Baumstamm. Mit Erfolg, erleichtert und auch ein klein wenig Stolz.

An diesem Tag legen sie trotz der Baum- und weiterer Wanderhindernisse – bestehend aus Stock, Stein und Holzplanken – etwa 10 Meilen zurück. Bis sie wieder in richtigen Betten liegen, werden noch mehrere Tage vergehen. Und so krabbeln sie müde aber glücklich und in Gedanken an Pizza und Huhn in ihre Schlafsäcke, auf bestem Wege in die nächste kalte aber sicherlich erholsame Nacht im Freien.

 

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