Appalachian Trail: Maine

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Es ist Anfang August. Fünf Monate sind mittlerweile vergangen, 13 US-Bundesstaaten liegen nun hinter ihnen und sie haben Maine erreicht, den letzten Abschnitt ihrer Reise und somit auch die sogenannte Hundred-Mile Wilderness — den wildesten und naturbelassendsten Teil des Appalachian Trails. Hierauf haben sich Anja und Nadine seit Beginn ihrer Reise am meisten gefreut.


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe: Zwei Frauen, 3500 Kilometer, 14 Staaten, 180 Tage …

Auf dem Weg zur Hundred-Mile Wilderness

Drei Tage lang bleiben sie in Caratunk in einem kleinen aber feinen Hostel, in dem es ein eigenes Zimmer, leckeres Essen und die Möglichkeit zum Aufstocken gibt. In diesen Tagen bietet sich nochmals die Gelegenheit, mit leichtem Gepäck zu wandern, und so begibt sich Nadine auf eine kleine Wanderung mit Kanufahrt über den Kennebec River — die einzige Stelle des Trails, die man nicht zu Fuß überqueren kann. Die Natur ist bereits vor der Hundred-Mile Wilderness wunderschön. Nirgends sonst sind ihnen so viele Pilze in all ihren Farben und Facetten begegnet. Eine Verlockung, der Nadine mit ihrer Kamera nur schwer widerstehen kann.

Von Caratunk aus führt der Weg weiter über Plesant Pond Shelter und Mountain Brook Shelter. Sie nehmen sich reichlich Zeit für den letzten Abschnitt der Reise, genießen es, in einer Gegend ohne Wasserschlangen zu sein und eine Runde im See schwimmen gehen zu können. Ihr Weg ist gezeichnet von traumhaft schönen Aussichten, sie passieren Bieberdämme und begegnen einer ganzen Reihe von Eichhörnchen, Fröschen, Schlangen und Chipmunks.

Mit dem Moxie Bald Mountain erwartet sie ein weiterer schwerer Anstieg. Doch oben angekommen werden sie mit reichlich Blaubeeren beschenkt, eine freudige Überraschung, die sie fast vom Weg abbringt. Hier und da müssen sie durch sumpfiges Gelände oder durch Gewässer waten, und dann haben sie es geschafft. Das Shaws Hostel, den letzten Stopp vor den berühmten 100 Meilen Wilderness, auch bekannt als »Rocks and Roots«.

Endspurt

Nach einem sehr leckeren Frühstück bei Shaws bringt sie ein Shuttle in die Wildness. Es hat während der letzten Tage viel geregnet, und so wird bereits nach wenigen Minuten der erste Bach den sie überqueren müssen zu einem schwer zu überwindenden Hindernis. Der Weg ist steinig und verwurzelt, jeder Schritt muss gut überlegt sein, denn die Gefahr auszurutschen ist groß. Über ihre App sehen sie, dass es einen Wasserfall gibt, den sie sogleich als Zeltplatz für die erste Nacht dingfest machen. Mittlerweile hat sich eine Art Routine eingestellt. Die Abläufe vom Zeltauf- und -abbau sind geregelt, alles hat seinen festen Platz und sie wissen, dass sie möglichst Vormittags viel Strecke zurücklegen müssen, weil sie da noch verhältnismäßig ausgeruht und aufmerksam sind. Und so geht es langsam aber stetig weiter, über Stock und Stein, durch Gewässer und hier und da auch mal über ungewöhnlich breite und ebene Abschnitte des Trails.

Dann endlich, nach fünf Monaten und zwei Wochen fällt ihr Blick zum ersten Mal auf den Endpunkt des Trails: den Mount Katahdin. Noch liegt er in weiter Ferne und doch so nah. Es ist ein ganz besonderer Moment. Von hier aus – dem White Top Mountain – führt sie der Weg zunächst hinab auf einen einfacheren Abschnitt des Trails. Er ist weniger bergig, aber dennoch sehr steinig und von daher nicht unbedingt so viel einfacher zu begehen wie erhofft. Doch mit dem Mount Katahdin im Blick meistern sie auch diesen letzten Abschnitt der Strecke. Und dann ist es plötzlich geschafft: am 20. August stehen sie auf dem Baxter Peak, dem höchsten Gipfel des Mount Katahdin und dem Ziel ihrer Reise.