Appalachian Trail: Here we come!

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Wir befinden uns im Jahre 2018. Ganz Billund liegt noch in tiefem Schlaf … Ganz Billund? Nein! Denn am Flughafen der LEGO-Stadt herrscht bereits ein geschäftiges Treiben. Der Flieger nach Frankfurt steht kurz vor dem Start. Mit an Bord sind zwei Frauen, zwei Rucksäcke und die Vorfreude auf 3500 Kilometer, 14 US-Bundesstaaten und 180 Tage entlang des Appalachian Trail.


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe: Zwei Frauen, 3500 Kilometer, 14 Staaten, 180 Tage …

Einreise mit Hindernissen

«Schnell, einfach, zeitgemäß: Mit EasyPASS können Sie Ihre Grenzkontrolle am Flughafen vereinfachen und ganz bequem selbst erledigen. Scannen Sie Ihren elektronischen Reisepass (ePass), werfen Sie einen kurzen Blick in die Kamera – und schon haben Sie die Grenzkontrolle passiert.» So zumindest die Beschreibung der Bundespolizei. In Wirklichkeit sieht die Einreise in die USA geringfügig anders aus, denn hinter dem modernen Grenzkontrollsystem wartet eine Schlange, an deren Ende ein Beamter, ein weiterer Schalter, eine persönliche kleine Zolleskorte bis hin zu einem Glaskäfig (mit kaltem Metallstuhl und elektronisch gesicherten Türen versteht sich) und eine geballte Ladung Adrenalin. Denn nervös macht ein solches Prozedere dann doch irgendwie schon. Und es wird auch nicht dadurch verbessert, dass man mit einem mürrischen «Only You!» von seinem Reisegefährten getrennt wird. Aber so ein Verhör soll natürlich geübt sein.

«What is the purpose of your trip?»

«I want to hike thie Appalachian Trail»

Der verdutzte Gesichtsausdruck des Zollbeamten am Flughafen in Atlanta spricht Bände. Augenscheinlich hat er noch nie vom AT gehört. Warum auch? Es ist ja nur einer der längsten Fernwanderwege der Welt, der von mehreren Tausend Wanderern im Jahr komplett und von mehreren Millionen in Teilabschnitten beschritten wird.

«How long do you intend to stay?»

«180 days!»

«1,5 years?»

«No! 6 months!»

Ein Schnauben, ein Blick auf den Monitor, die Frage nach dem Geld, die Frage danach, wieviel Dänische Kronen denn nun ein Dollar sind … Und erneut die Frage: «What is the purpose of your trip?»

«I want to hike from Georgia, Springer Mountain to Main, Mount Katahdin!»

«You do know it is winter, right?»

Selbstverständlich. Daher ja auch die Winterschuhe, Hose und Jacke, alles passend zum Wetter gepackt.

«Where will you be staying?»
«In the woods, in a tent, obviously!»
«In winter?»

«Yes! And hopefully in summer still!»

Ein erneutes Schnauben. Ein Rollen mit den Augen. Ein verzweifeltes Tippen auf der Tatstatur des Computers.

«Are you travelling alone?»

«No. I am travelinng with my mother. She is sitting right there!»

Stimmt ja. Da sitzt ja noch jemand.

«Ok. Just a second. Please take a seat and wait here!»

Und da saßen sie nun nebeneinander im Glaskäfig des Flughafens in Atlanta. Die Minuten vergingen, die Nerven lagen blank. Denn es machte nicht gerade den Eindruck, als würde der Zollbeamte dem Wanderplan Glauben schenken. Sollte alles schon zu Ende sein, bevor es überhaupt richtig begonnen hatte?

Natürlich nicht. Aber nach dem Einzelverhör musste natürlich unbedingt noch das Doppelverhör hinzukommen. Nach etwa 10 Minuten gebannter Wartezeit wurden Anja und Nadine also zusammen aufgerufen und das Spiel begann von Neuem. Diesmal aber in etwas abgewandelter Form, denn ein weiterer Zollbeamter war dazugestoßen – einer, der zumindest schon einmal vom Appalachian Trail gehört hatte. Die Fragen richteten sich also nicht nur nach dem Warum, Wieso und Wo, sie zielten auch auf den Trail selbst ab.

Doch das Beste kommt bekanntlich immer zum Schluss

«Can you prove you are going to hike the Trail?»

Ja … wie beweist man nun, dass man in die USA gekommen ist, um knappe 3500 Kilometer Strecke zu Fuß zurückzulegen? Ein Blick in die Rucksäcke hätte tatkräftige Beweise für die Wanderabsichten liefern können. Doch dieser erfolgte komischerweise nie. Glücklicherweise war neben dem Rückflugticket auch ein Ausdruck der Genehmigung zum betreten des Great Smokey Mountain National Park mit im Gepäck, einer erforderlichen Genehmigung, um den Smoky Mountains Nationalpark während der Wanderung entlang des AT überhaupt betreten zu können.

Und dann, endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, bekamen sie die Stempel und die Unterschrift.

Welcome to America!


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