Appalachian Trail: Blue Ridge Mountains

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Nach einer kleinen Pause in Hot Springs führt sie der Weg weiter in die Blue Ridge Montains, einen Gebirgszug der gleichzeitig der höchste im US-Bundesstaat North Carolina als auch in den gesamten Appalachen ist. Deshalb ist es auch wenig überraschend, dass das Gelände so seine Tücken hat. Es ist steil, steinig und kurvig, und so kommen sie nur langsam voran. Erst recht, weil auch das Wetter noch immer nicht mitspielt. Während ihnen andere Wanderer immer wieder von erstem Frühlingserwachen berichten, warten Anja und Nadine noch sehnlichst darauf. Aber sie wärmen sich auf andere Weise, denn unterwegs begegnen ihnen immer wieder bekannte Gesichter, mit denen es sich besonders gut am abendlichen Lagerfeuer sitzen lässt. Und so wechseln sich die geselligen Abende mit den einsamen Nächten im Zelt ab, die mitunter in weniger günstigen Lagen sind.


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe: Zwei Frauen, 3500 Kilometer, 14 Staaten, 180 Tage …

Schräg, schräger am schrägsten

So zum Beispiel beim Little Laurel Shelter, denn dort angekommen, müssen sie ihr Zelt an einem Hang aufschlagen, der es wahrlich in sich hat. Schon bald zeigt sich, wie ungünstig die Lage tatsächlich ist – es ist nämlich so steil, dass Nadine konstant ins Rutschen gerät. Zunächst mitsamt Schlafsack von der Matratze, gefolgt von dem kläglichen Versuch Kleidungsstücke als Polster am Fußende zu platzieren bis hin zur verzweifelten Version des Luft aus der Matratze lassens, damit eine entgegengesetzte Schräglage erzielt wird. Alles umsonst. Nadine rutscht auch weiterhin fleißig durchs Zelt, während Anja, die eine erheblich rutsch-resistentere Matratze gekauft hat, geruhsam und behaglich schläft. Die Nacht am Gefrierpunkt ist für Nadine eine mit unglaublich wenig Schlaf. Einziger Hoffnungsschimmer ist der heiße Haferbrei mit Früchten, der sie am nächsten Morgen erwartet.

Weiter bis zum nächsten Meilenstein

Nach drei grauen und trüben Tagen in den Blue Ridge Mountains folgt endlich ein windstiller mit Sonnenschein. Die nasskalte Landschaft verwandelt sich im Nu in eine atemberaubende Schönheit voller eisbedeckter Baumkronen, soweit das Auge blicken kann. Ein unbeschreibliches Gefühl, für das sich die Strapazen der vergangenen Tage definitiv gelohnt haben.

Und mehr noch, denn es dauert nicht lange, da haben sie es endlich geschafft: Ein weiterer Meilenstein ist erreicht – die ersten 300 Meilen des Appalachian Trail liegen nun hinter ihnen. Ein Punkt, der zwar noch fernab vom endgültigen Ziel in Maine liegt, aber doch einer ist, den viele selbsternannte Thru hiker gar nicht erst erreichen. Und somit ist es grund genug für große Freude und ein bisschen Verwöhnprogramm. Wie sieht das aus? Ganz einfach: Am kommenden Tag sagen sie der Eiswelt Adé und bestellen sich ein Shuttle, das sie bis nach Erwin bringt, wo bereits ein richtiges Bett und gekochtes Essen auf sie wartet.