Appalachian Trail: Bear Alert?

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Am nächsten Morgen bringt ein Shuttle Anja und Nadine vom Motel in Erwin zum Iron Mountain Gap und ein erneuter Aufstieg beginnt. 11 Meilen legen sie an diesem Tag zurück. Für die Nacht schlagen sie ihr Zelt am Zeltplatz Ash Gap auf. Es wird eine Nacht, anders als die anderen, denn sie bekommen Besuch.

Was raschelt so still und leise bei Nacht?

Eine knappe Stunde war es her, seitdem sie in ihre Schlafsäcke gekrochen waren. Anja schlief schon tief und fest. Nadine hörte noch etwas Hörbuch. Doch dann ein Heulen, gefolgt von lautem Geraschel. Urplötzlich waren sie beide hellwach und schauten sich fragend an. Was konnte das gewesen sein? War es endlich soweit? Kam nun der erste Bär?

Sie lauschten. Es raschelte weiter … nahe am Zelt ... schnaubte … für einen Bären zu klein – so zumindest die Vermutung der beiden. Um sicherzugehen, schaute Nadine trotzdem vorsichtig aus dem Zelt. Die Bear-Bags hingen noch dort, wo sie sie aufgehängt hatte. Schließlich entdeckte sie den Übeltäter. Aus nur drei Metern Entfernung, versteckt hinter einem Baum, schaute er ihr genau in die Augen: Es war ein Reh.

Im selben Moment fiel Nadine ihr Handy aus der Tasche. Aufgeschreckt von dem Geräusch rannte das Reh los, und mit ihm eine ganze Gruppe weiterer Rehe. Ein aufregendes Erlebnis, das definitiv auch von Erleichterung geprägt war, schließlich gehört eine Begegnung mit einem Bären nicht unbedingt zu dem, was man als Thru hiker unbedingt erleben möchte.

Weiter Richtung Stan Murray Shelter

Die nächsten 9 Meilen führen im ewigen Zickzack bergauf bis hin zu einem Punkt, an dem früher einmal ein Hotel stand. Bis auf die Straße, die dort einmal hingeführt hatte, war allerdings nichts mehr zu sehen.

Der weitere Weg führt über verwurzeltes und vereistes Gelände. Er ist nicht unbedingt leicht zu begehen und so machen sie am nächsten Shelter, einem alten zweistöckigen Gebäude mit Gruselcharakter, Halt. Zum Mittag gibt es Wraps in Form von Brot mit etwas Käse und Salami. Dazu noch einen Apfel. Vitamine müssen schließlich sein. Bis zum nächsten Zeltplatz führt sie der Weg im stetigen Auf und Ab über drei weitere Berge. Am Abend schlafen sie zu Vogelgezwitscher und Nagetier-Geknister im Unterholz ein. Diesmal wieder ganz ohne Bärensorge.