Juergen Jotzo / pixelio.de

20 Dinge, an die sich familienfreundliche Museen halten sollten

GB macht’s vor: Das Kids in Museums Manifest

Liebe Leser!

Während einer Weiterbildungsmaßnahme bin ich auf das »Kids in Museums Manifesto« gestoßen, das entstand, nachdem eine Mutter gebeten wurde, ein Museum zu verlassen, weil ihr Kind mit ausgestrecktem Zeigefinger auf eine der ausgestellten Skulpturen gezeigt und »Monster« gerufen hatte.

Heute ist die gemeinnützige Initiative zu einem bedeutenden Organ herangewachsen, das sich für die Wünsche und Bedürfnisse von Kindern und Familien in Großbritannien einsetzt. Zusammen mit der Telegraph Newspaper verleihen Sie den »Family Friendly Award«, der auf den Bewertungen von Museumsbesuchern basiert.

Hier eine Übersetzung der 20 Punkte, die mithilfe von Besucher-Kommentaren entstanden sind und als praktisches Werkzeug für Museen dienen sollen, die ihre Räumlichkeiten an die Bedürfnisse ihrer jungen Besucher und deren Familien anpassen wollen:

1. Sagen sie »Hallo!« und begrüßen Sie Ihre Besucher. Alle Mitarbeiter, ob Kurator, Praktikant oder Mitarbeiter aus dem Museums-Shop sind Teil des familienfreundlichen Auftretens.

2. Haben Sie eine positive Grundeinstellung und vermeiden Sie das Wort »NEIN!« Lassen Sie die Besucher stattdessen wissen, was sie dürfen.

3. Gehen Sie einen Dialog mit den Familien ein. Sie sind auch Experten.

4. Beginnen Sie mit der Geburt. Es ist niemals zu früh für einen Museumsbesuch, immerhin sind Museen soziale und anregende Orte, die durchaus auch für die Kleinsten der Kleinen geeignet sind.

5. Spielen Sie das Generationsspiel. Großeltern und deren Erfahrungen sind wichtig. Der Dialog zwischen den Generationen sollte im Zentrum der Museumsarbeit stehen.

6. Laden Sie Teenager ein und bieten Sie ihnen Räume an, in denen sie sich aufhalten können. Fragen Sie sie, ob sie sich engagieren wollen, lassen Sie sie wissen, dass auch ihre Meinungen und Sichtweisen wichtig sind.

7. Bleiben Sie schlüssig in Bezug auf Ihre Eintrittspreise. Haben Kinder und Jugendliche kostenlosen Zutritt, wenn Sie lediglich über Erwachsenenpreise informieren?

8. Reichen sie über Ihre vier Wände hinaus und erreichen Sie damit neue Besucher. Hinterfragen Sie sich, inwiefern Sie den Zugang zu Ihrem Haus für jene verbessern können, die zurzeit selten oder überhaupt nicht zu Ihnen kommen.

9. Seien Sie flexibel in Ihren Aktivitäten, Events und Familientickets. Familien kommen in allen Formen und Facetten. Richten Sie daher ihre Eintrittspreise an alle möglichen Familienkonstellationen.

10. Chatten Sie online. Ihre Social Media- und Internetpräsenz muss Familienfreundlich und auf einem aktuellen Stand sein, damit Ihre Besucher sich leicht über Ihre Angebote und Möglichkeiten informieren können.

11. Gestalten sie einen gemütlichen, sicheren Ort für Kinder. Museen können zum Ort des Rückzugs und der Erholung für Ihre Besucher werden, wenn Sie dies ermöglichen.

12. Seien Sie das Herz Ihrer Gemeinde und bieten Sie Räumlichkeiten an, in denen Familien auf einander treffen und sich austauschen können.

13. Sagen Sie nicht ständig »pssssst!« Wenn Kinder laut sind, fragen Sie sich zunächst einmal »weshalb?« Ist es, weil Sie von dem Museum begeistert sind? Wunderbar! Dann greifen Sie diese Begeisterung. Oder liegt es daran, dass die Kinder gelangweilt sind? Dann tun Sie etwas dagegen indem Sie ihnen eine sinnvolle Beschäftigung geben.

14. Sagen Sie »Bitte anfassen!« so oft es geht. Alle lieben es, Dinge zu berühren. Führen Sie Kinder an Ihre Ausstellungsstücke heran, erklären Sie, weshalb andere Objekte nicht berührt werden können und fördern Sie so den Respekt vor Ausstellungsstücken.

15. Gehen Sie auf die Erwachsenen zu, denn es sind längst nicht immer die Kinder, die zu schüchtern sind Sie anzusprechen. Eltern brauchen Ihre Unterstützung. Erstellen Sie Leitfäden, Entdeckertouren und Aktivitäten, durch die jeder Besucher Spaß an einem Besuch in Ihrem Haus hat.

16. Seien Sie sich über die unterschiedlichen Bedürfnisse Ihrer Besucher bewusst. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und installieren sie Symbole, die von jedermann verstanden werden können. Gestalten Sie alles in Ihrem Museum so, dass auch Menschen mit einer Behinderung Zugang dazu haben.

17. Machen Sie das Beste aus Ihren Räumlichkeiten. Ob Innen- oder Außenräume, das Gesamtkonzept zählt für das positive Museumserlebnis.

18. Achten Sie darauf, dass sich Ihre Besucher wohl fühlen. Die sanitären Anlagen sollten sauber und gut zugänglich sein, auch für Menschen mit einer Behinderung. Wickelräume dürfen nicht fehlen und sorgen Sie für ausreichend Platz zur Aufbewahrung von Jacken und Taschen, die nicht mit in die Ausstellungsräume genommen werden sollen.

19. Bieten Sie gesundes und erschwingliches Essen an, kostenfreies Trinkwasser und Hochstühle für die Kleinsten. Ihr Café sollte dieselbe Familienfreundlichkeit ausstrahlen, wie die übrigen Räumlichkeiten Ihres Hauses.

20. Sorgen Sie für Beständigkeit. Bauen Sie einen Kontakt zu Ihren Besuchern auf, und lassen Sie sie wissen, dass Sie mit Ihnen verbunden bleiben wollen. Ziehen Sie Ihre Besucher in zukünftige Entscheidungen mit ein und geben Sie Ihnen einen Grund, immer wieder zu Ihnen zu kommen.

 

Meiner Ansicht nach können viele dieser Punkte auch im weiteren Besucher-Kontext gesehen werden. Denn neben Familien, gibt es noch viele andere Gruppen, die in so manchem Museum übersehen oder ausgeschlossen werden.

Was sagt ihr dazu?

Gibt es Punkte, die eurer Meinung nach übertrieben oder unnötig sind?

Und welche sind für euch bitter nötig und unumgänglich für ein Museum, das für all seine Besucher offen sein will?